Den Körper als Last und Bürde empfinden

Wir Menschen haben einen Körper, in dem (meistens jedenfalls) ein Geist wohnt. Ich möchte hier der Einfachheit halber einen dualistischen Standpunkt vertreten, nach welchem ich den Körper einerseits und die Seele (also den Geist) andererseits als klar voneinander zu unterscheidende und gleichwohl eng miteinander verquickte Parteien betrachte. Eingeschworene Monisten mögen mir dies verzeihen und/oder über die Kommentarfunktion deftige Kritik an mir üben. Nur zu.

Als Doktorin der Philosophie bin ich das gelehrte Disputieren durchaus gewohnt

Der Körper als Schraubstock

Der Körper als Schraubstock

Doch zurück zum Thema. Was ist eigentlich so toll daran, einen Körper zu haben? Ich für meinen Teil (und auch in meiner Eigenschaft als Star Trek Fan der allerersten Stunde) glaube daran, dass eine Existenz des Geistes bzw. der Seele auch komplett ohne Körper daherkommen kann. Und je mehr ich darüber meditiere, wie es reinen Energiewesen so gehen mag, desto gewillter bin ich, im Besitz eines Körpers deutlich mehr Nachteile als Vorteile zu sehen. In diesem Sinne lade ich meine Leserschaft dazu ein, meine nachfolgend aufgeführten Argumente mit den eigenen Anschauungen und Meinungen kritisch abzugleichen.

Was den Körper lästig sein lässt

  • Der materielle Körper muss, so lange die Seele ihn bewohnt, ernährt und gepflegt und gewartet und geschützt werden. Essen und Trinken, Hygiene, medizinische CheckUps sowie saisonal angepasste Kleidung sind dabei regelmäßiges Alltagsgeschäft. Und es gibt keinen Tag, an dem man die Grundbedürfnisse des eigenen Körpers außer Acht lassen darf. So ist es nahezu pausenlos notwendig, den Körper irgendwie aktiv und aufwändig in Schuss zu halten.
  • Neben der Basispflege will der Körper gegen Beschädigungen und Fehlbelastungen versichert sein und nicht krank werden müssen. Also gilt es, Unfälle und Verletzungen und Gewalteinwirkungen zu vermeiden sowie pathogenen Situationen möglichst auszuweichen. Zu letzterem zählt es auch, krankmachende Faktoren nach Kräften zu meiden. Und da gibt es einiges zu berücksichtigen. Denn der Körper braucht seinen Schlaf, seine Ruhe, saubere Atemluft, eine stressfreie Umgebung, die Abwesenheit von Krankenhauskeimen… am besten setzen Sie die Liste hier selbst fort. Denn die Liste ist deutlich länger als meine Geduld, hier alles niederzuschreiben, was so ein Körper zum einen nicht will und zum anderen vital benötigt.
  • Es gibt unendlich viele Gründe, die es erzwingen, den Körper von A nach B zu transportieren. Jeder Pendler (und das sind in Deutschland extrem viele Betroffene) kann ein Klagelied davon singen. Nun ja. Wer im Berufsverkehr ewig im Stau steht, hat ja auch genug Zeit dazu. Doch auch die Urlaubsreisen zählen dazu. Will man seinem Körper mal was Anderes bieten, muss man ihn erst einmal an den Ferienort schaffen. Das ist oft kostspielig, immer umständlich und niemals ungefährlich. Dazu kommt noch das übliche Alltagsgeschäft. Einkaufen, die Blagen durch die Gegend kutschieren, Termine wahrnehmen, an Geselligkeiten teilnehmen, Einladungen annehmen, aushäusige Freizeitaktivitäten, Arztbesuche… auch hier bitte ich wieder herzlich darum, die Liste der Gründe, warum man seinen Körper herumreisen lassen muss, selbst zu vervollständigen.

So ein Körper macht doch aber auch Spaß!

Gut, zugegeben: Das eine oder andere leibliche Vergnügen kann schon als lustvoll erlebt werden. Doch der Preis für diese samsarischen Freuden ist ziemlich hoch. Hat man einen attraktiven Körper, so lebt man stets in der Furcht, dieses anziehende Attribut durch den Zahn der Zeit oder durch andere Entstellungen einzubüßen. Ist der eigene Körper weniger tageslichttauglich, kreisen die Gedanken immer nur darum, wie man vom hässlichen Entlein doch noch zum schönen Schwan werden könnte. Dazu kommt noch, dass für das Schützen, Schmücken und Behausen des Körpers Unsummen an Geld draufgehen. Die meisten Menschen arbeiten fast ausschließlich für ihre Miete, ihre Klamotten, ihr Essen und ihr Auto. Müsste man nicht wohnen, sich nicht bekleiden, nicht futtern und nicht (auto)mobil sein, könnte man seine Zeit weitaus sinnreicher mit dem Durchdenken diverser Fragen des Universums verbringen, anstatt sich beständig irgendwie am Kacken halten zu müssen.

Selbstverständlich werden auch reine Energiewesen ihr Päckchen zu tragen haben. Doch das Erleiden von Zahnschmerzen, Verstopfung oder Hühneraugen wird definitiv nicht dazugehören.

Die Frage „Körper oder keiner“ stellt sich mir im Augenblick nicht, da ich nun einmal im Moment als Mensch inkarniert bin. Doch wenn bei mir dermaleinst der Ofen ausgeht, werde ich mit größter Spannung erwarten, was (und wie es) hinter dem Horizont weitergeht. Und zwar ohne fleischlichen Ballast. Ganz frei und leicht und unbeschwert ins Licht schweben, jeder irdischen Sorge enthoben. Wunderbar!

– Carina Collany –

Beitragsbild: Daniel Deppe

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1 Antwort

  1. OOBE sagt:

    Es gibt den wunderbar bildhaften Begriff des „sich entleibens“ für Menschen, die durch die eigene Hand zu Tode kommen. Entleiben. Besser kann man es nicht ausdrücken, finde ich.

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