Selbstheirat – Geniestreich oder Armutszeugnis?

Selbstheirat

Selbstheirat

Wer sich selbst festlich und feierlich das Ja-Wort gibt, der vollzieht eine Selbstheirat. Waren früher wenigstens zwei Menschen nötig, um miteinander den Bund fürs Leben zu schließen, so reduziert die Selbstheirat diese Mindestmenge auf eine einzelne Person. Doch was ist der Sinn und Zweck einer Selbstheirat? Immerhin ist ein Mensch ja ohnehin sein Leben lang wohl oder übel stets und ständig mit sich selbst zusammen, in guten wie in schlechten Zeiten. Wozu also im Rahmen einer Selbstheirat ein sologames Ehegelöbnis aussprechen, welches, nebenbei bemerkt, weder von der Jurisprudenz noch von der Kirche anerkannt wird? Auf diese Sinnfrage lassen sich sowohl positive als auch negative Antworten finden.

Drei gute Gründe für eine Selbstheirat

==>1 Frauen, die dem schönsten Tag in ihrem Leben entgegenfiebern, müssen dafür nicht länger auf einen Märchenprinzen warten. Das ist ausgesprochen vorteilhaft. Denn zum einen kann man sich bei der Gattenwahl durch den Schleier einer rosaroten Brille sehr derbe täuschen, was leider erst nach der Eheschließung zutage tritt. Und zum anderen ist die Planung und Ausführung der Hochzeitsfeierlichkeiten ohne partnerschaftliches Konfliktpotenzial wesentlich entspannter und zu 100% streitfrei. So kann die Braut, die sich mit sich selber traut, alle ihre Wünsche und Phantasien widerstandslos wahr werden lassen, ohne sich mit einem Bräutigam rumärgern zu müssen, dessen Meinung womöglich von den eigenen Vorstellungen abweicht.

==>2 Eine Frau, die sich selbst für ein perfektes Geschöpf und für einen absolut idealen Lebenspartner hält, kann durch eine Selbstheirat ihr durch und durch positives Selbstkonzept prachtvoll kommunizieren:

Sehet her, liebe Festgäste, ich habe den wirklich perfekten Lebenspartner gefunden, und zwar mich selbst. In meiner eigenen Gesellschaft werde ich mich immer wohl, zufrieden und glücklich fühlen, und das soll und darf die ganze Welt wissen!

==>3 Was soll eine Frau später mit einem Ehemann anfangen, der, wie es die Ärzte einmal so prägnant gesungen haben, nach der Trauung zu einem unrasierten, widerlichen, biersaufenden, schwabbelbäuchigen, rülpsenden und furzenden King Kong mutiert? Die Aussicht auf solch ein Eheleben ist wenig attraktiv. Dann doch lieber mit sich selbst vermählt sein. Da weiß man wenigstens ganz genau, was bzw. wen man kriegt. Männer sind nun mal Schweine. Und welche Perle will sich schon freiwillig vor die Säue werfen?

Drei gute Gründe gegen eine Selbstheirat

==>1 Wirkt es nicht ein wenig verzweifelt, keinen anderen Partner als sich selbst für den Bund fürs Leben gewinnen zu können? Und ist es nicht tragisch, dass der gesellschaftliche Druck auf unverheiratete Frauen offensichtlich so gigantisch ist, dass eine Selbstheirat als Ausweg in Betracht gezogen wird? Sex hin und City her – haben Frauen so eine Farce wirklich nötig?

==>2 Hochzeit machen geht ganz grausam ins Geld. Da spielt es keine Rolle, ob man sich selbst oder einen anderen Menschen heiratet. Das sündhaft teure Brautkleid, die mehrstöckige Hochzeitstorte, die Festivität als eine solche mit all den hungrigen und durstigen Hochzeitsgästen, die Kutsche, überhaupt das ganze Wedding-Planer-Gedöne, das alles lässt den Geldbeutel sprudelnd bluten. Und wofür stürzt man sich da in immense Unkosten? Die vielen verplemperten Euronen könnte man sicher auch besser anlegen.

==>3 Es ist nicht möglich, sich von sich selbst scheiden zu lassen. Man könnte in diesem Zusammenhang höchstens einen Suizid in Erwägung ziehen. Und noch nicht mal bei so einem endgültigen Schnitt und Schritt ist es wirklich sicher, dass man anschließend getrennte Wege gehen kann.

Was meinen Sie? Würden Sie sich selbst heiraten? Fänden Sie diese Vorstellung genial oder peinlich? Darüber nachzudenken ist, bei aller Hypothetik, durchaus reizvoll.

– Carina Collany –

 

Beitragsbild: Daniel Deppe

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