Selbstakzeptanz und Selbstoptimierung als Widerspruch

Selbstakzeptanz vs. Selbstoptimierung

Selbstakzeptanz vs. Selbstoptimierung

Das Mantra der Selbstakzeptanz ist heute in aller Munde. Wer in sich und somit in seiner Selbstakzeptanz ruht, hat keine Probleme mit seinen kleinen oder großen Fehlern oder mit seinen unvermeidbaren, weil menschlichen Schwächen. Zu dick, zu doof oder auch einfach nur zu dröge? Mit einer satten Portion an Selbstakzeptanz geht das alles völlig in Ordnung. Damit sollte ein jeder so bleiben dürfen, wie er ist. Oder etwa nicht?

Selbstakzeptanz als Hemmung der Selbstoptimierung

Wer sich in seiner satten und zufriedenen Selbstakzeptanz hervorragend gefällt, hat keinerlei Veranlassung mehr, etwas an sich zu verändern. Wozu denn auch? Schließlich ist ja jeder genau so auf der Welt, wie er sein soll, und nicht anders. Klar, dass so eine bequeme Geisteshaltung nicht unbedingt als Motivation dazu taugt, für sich selbst wieder mal was zu drehen. Und genau an dieser Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn die Selbstakzeptanz, die zur zeitgeistigen Lebensphilosophie erhoben wurde, steht in diametralem Gegensatz zu einem anderen, nicht minder mächtigem Diktat unseres modernen Lebens, nämlich der Selbstoptimierung.

Selbstoptimierung als Hemmung der Selbstakzeptanz

Ständig in Bewegung bleiben, immer etwas Neues dazulernen, endlich mal das Gewicht in Ordnung bringen, mehr für die Gesundheit tun, bewusster leben, Netzwerke und Freundschaften pflegen, die Karriere vorantreiben, Schwächen in Stärken wandeln und dem Alterungsprozess ein Schnippchen schlagen. Das sind nur wenige von unendlich vielen Beispielen für Prozesse und Projekte der Selbstoptimierung, die die Gesellschaft heute von jedem einzelnen einfordert. Wer dazugehören will, soll ständig an sich arbeiten und sich kontinuierlich selbst neu erfinden, selbstverständlich stets in eine bessere und wertvollere Richtung. Allerdings bedeutet dieses allgegenwärtige Desiderat, dass keiner von uns Menschen jemals gut genug, schön genug oder geliebt genug ist. Schließlich geht es ja grundsätzlich jeden Tag immer noch ein bisschen besser. Wo bleibt bei all diesem Streben nach persönlicher Perfektion die Selbstakzeptanz? Ganz genau. Sie bleibt auf der Strecke.

Ist der Widerspruch zwischen Selbstakzeptanz und Selbstoptimierung denn zu lösen?

Das kommt darauf an, wie viele Kompromisse der Mensch einzugehen gewillt und in der Lage ist. Wer bei seiner Selbstakzeptanz keine Abstriche macht, bleibt für immer der, der er ist. Wer andererseits die Selbstoptimierung zum eigenen Primat erhebt, ist einem beständigen Wandel und ewiger gnadenloser Selbstkritik unterworfen. Klingt beides irgendwie nicht übermäßig erstrebenswert. Also wird es wohl darauf hinauslaufen müssen, einen Teil von sich in Selbstakzeptanz in Ruhe zu lassen, und einen anderen Teil für eine Modifikation vorzusehen. Doch welche meiner Unperfektheiten soll ich akzeptieren und welche soll ich bekämpfen? Eine pragmatische Lösung würde darin bestehen, nur solche Veränderungen anzugehen, die eine Aussicht auf Erfolg haben, ungeachtet des entsprechenden Themas. Eine andere Möglichkeit wäre, sich an jener Unperfektheit zu versuchen, die, bei aller Akzeptanz, das eigene Leben am meisten stört oder behindert. Schließlich könnte man sich auch erst einmal probehalber an der Gesamtsumme aller selbst wahrgenommenen Unperfektheiten versuchen und nach einer gewissen Probezeit nur jene Optimierungsprozesse weiter vorantreiben, die nach eingehender Prüfung die wenigsten Probleme und die besten Ergebnisse versprechen.

Mancher mag es auch demütig ergeben in die Hand Gottes legen, was zu akzeptieren und was zu optimieren sei:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Reinhold Niebuhr

Welche Lösung wählen Sie?

– Carina Collany –

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