Der Böllerterror ist vorerst vorbei

Böllerterror

Böllerterror

So sehr ich Silvester als meinen persönlichen höchsten Feiertag des Jahres liebe, so sehr hasse ich gleichzeitig den damit verbundenen Böllerterror. Denn sobald der Sprengstoff für das Volk offiziell über die Ladentheken gehen darf, muss ich hirnlose Arschlöcher fürchten, die wehrlosen Passanten Kracher hinterherwerfen. Oder den gefährlichen Scheiß in Briefkästen, öffentlichen Abfallbehältern oder Autoauspüffen explodieren lassen. So dämlich diese Knallköppe auch sind, so erfindungsreich werden sie, wenn es gilt, mit möglichst geringem finanziellem Aufwand möglichst großen Schaden anzurichten. Und um mit einem angezündeten Kracher in ein sperrangelweit geöffnetes Fenster zu treffen, braucht es noch nicht mal übermäßig viel Geschick. Nur eine gehörige Portion Psychopathie und blinde Zerstörungswut.

Böllerterror als selbsträchender Akt

Wenn sich all diese mit Sprengstoff bepackten Vollidioten am eigenen Leibe tiefe Verbrennungen zufügen, sich die eigenen Finger absprengen oder sich die eigenen Augen ausschießen, dann können diese Herrschaften von mir absolut kein Mitgefühl erwarten. Dann hat sich nämlich der Böllerterror gegen den unmittelbaren Verursacher gewendet, was man durchaus mit gediegener Befriedigung als ausgleichende Gerechtigkeit interpretieren kann. Kommen jedoch Unbeteiligte und wahllos angegriffene Personen zu Schaden, dann ist definitiv Schluss mit Lustig.

Böllerterror als Feinstaubschleuder

Wenn bei Dieselfahrzeugen Abgaswerte manipuliert werden, dann geht ein Aufschrei durch die Nation. Oh je, ach weh, der böse böse Feinstaub! Er ist ja so gefährlich! Ja, na klar ist der Feinstaub gefährlich! Sogar lebensgefährlich für viele Menschen. Und genau aus diesem Grund verstehe ich nicht, dass der Böllerterror ungehindert ausgeübt werden kann. Denn:

Zwischen 100 und 200 Millionen Euro jagen die Deutschen zum Jahreswechsel in die Luft. Dabei werden rund 5.000 Tonnen Feinstaub (PM10) frei gesetzt, diese Menge entspricht in etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge.

Quelle: Umweltbundesamt

Mal ehrlich: So viele feingetunte Dieselfahrzeuge können die üblichen Bedenkenträger gar nicht stilllegen, wie sie müssten, um den Böllerterror Feinstaub auch nur ansatzweise wieder auszugleichen. Vom rein umweltpolitischen Standpunkt aus müsste das bescheuerte Silvestergeknalle sofort verboten werden. Doch statt das Übel an seiner wahren Wurzel zu packen, wird lieber auf die Autofahrer eingedroschen. Ganz toll. Das ist so, als ob man seine verlorenen Schlüssel nur deswegen unter der Laterne sucht, weil es dort am hellsten ist, und nicht, weil sie dort abhanden kamen. Wenn es den Nieten in Nadelstreifen mit der Umwelt wirklich so wichtig wäre, wie sie immer behaupten, dann würden sie jeglichen Böllerterror sofort verbieten. Unsere französischen Nachbarn geben dazu gerne kompetenten Anschauungsunterricht. Die haben es nämlich gesetzlich verboten, dass sich jeder Hirnspender zum Jahreswechsel unkontrolliert und in beliebiger Menge mit Sprengstoff eindecken darf. In Frankreich ist der Verkauf von Sprengstoff an Privatpersonen absolut und konsequent untersagt. Fertig Ende Aus. Warum geht das hier nicht auch?

Böllerterror als Wegbereiter des Schlimmeren

Ich will hier nicht wieder von all den Haustieren anfangen, die sich beim Böllerterror zu Tode fürchten. Ich rede von vielen Menschen, die sich an dem kriegsähnlichen Geknalle nicht mehr ungetrübt erfreuen mögen, seit echte terroristische Akte hier in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen sind. Bei ehemals harmlosen öffentlichen Vergnügungen wie beispielsweise Weihnachtsmärkten oder Faschingsumzügen können heute die Betonmauern und die Polizeipräsenz nicht hoch genug angesetzt werden. Schließlich könnten ja Terroristen die Menschenmenge für ihre vernichtenden Sprengstoff-Anschläge nutzen. Diese Gefahr ist inzwischen von potenziell und unwahrscheinlich zu wirklich real existent aufgestiegen. In diesem Problemfeld ist es fast schon obszön, wenn sich zum Jahresende wirklich jeder, der es will, ungehindert und absolut legal mit beliebig viel Sprengstoff bepacken kann. Wer nicht aufs Geld gucken muss, hat im Landeanflug auf Silvester die Möglichkeit, ganze Lagerhallen voll Sprengstoff zu bunkern. Wirklich sehr beruhigend.

Böllerterror: Fazit

Das schwachsinnige Geknalle ist umfassend bedrohlich, bisweilen lebensgefährlich, vergiftet die Umwelt und leistet menschenverachtenden Ideen Vorschub. Warum wird es also hier in Deutschland nicht sofort verboten? Immerhin machen einige deutsche Städte und Gemeinden hier den Anfang und dem Böllerterror ein Ende. Da bleibt nur zu hoffen, dass sich die hierin sichtbar gewordene Intelligenz irgendwann flächendeckend ausbreiten wird.

– Milla Münchhausen –

Beitragsbild: GeKi bei Pixabay

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1 Antwort

  1. Dazu nur mal eben aus aktuellem Anlass diese Meldung:

    Quelle: https://www.n-tv.de/20223237

    „Polizei findet 300 Kilo Feuerwerk in Wohnung

    Sie suchten Drogen und fanden Feuerwerk – die Polizei hat bei einer Razzia in Ellerau bei Hamburg rund 300 Kilo Knaller, Raketen und Böller sichergestellt.“

    Ganz toll 🙁

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