Mein neuer Katzenfellpulli

katzenhaarpulliNeulich haben wir mal wieder ganz spontan einen lieben Kinokollegen besucht. Dieser vielseitig interessierte Mann hat, neben zahlreichen anderen faszinierenden Hobbys, zwei bezaubernde Stubentiger. Und wie es so oft bei einem typischen Hauskatzenpärchen ist: Die eine ist ziemlich scheu und die andere ist ziemlich verspielt.

Als wir zu unserer Stippvisite die gemütliche Wohnung betraten, trug ich einen tiefschwarzen flammneuen Kapuzen-Sweater, den ich mir am Morgen für die wechselnden Belange eines langen und facettenreichen Tages als universelle Wohlfühlbekleidung gewählt hatte. Und als ich schlagartig ahnte, was das gleich jetzt und hier bedeuten würde, war es natürlich schon zu spät. Denn als die verspielte Katze (nennen wir sie mal Zsa Zsa 😉 ) mich bemerkte, konnte ich es zwischen ihren niedlichen Öhrchen förmlich rattern hören:

Ja kuck mal, wer da ist! Das ist doch die große Frau, die keiner kleinen Katze widerstehen kann, und die meinem schnurrigen Charme ebenso hilf- wie willenlos ausgeliefert ist. Und sie hat, blöd genug, heute ein kohlrabenschwarzes Oberteil aus Baumwolle an. Na – da wollen wir doch gleich mal ausgiebig prüfen, wie viele von meinen weißen Katzenhaaren da drauf passen 😎

Gedacht – getan! Zsa Zsa ließ mir gerade so viel Zeit, um auf dem Sofa Platz zu nehmen, und startete dann sofort ihren Frontalangriff auf mein bis dahin unauffälliges Äußeres. Der süße kleine Schmusetiger nahm mich auf sämtliche möglichen Arten und Weisen buchstäblich in Besitz (inklusive Milchtreten mit Krällchen) und rieb seinen geschmeidigen warmen Körper mit größtmöglicher Berührungsfläche an meinem Sweater. Natürlich wurde ich auch sehr deutlich zum ausgiebigen Kraulen aufgefordert. Es dauerte keine Minute, und ich war über und über mit hartnäckig anhaften hell schimmernden kontraststarken Katzenhaaren verziert. Doch Zsa Zsa hatte heute keine halben Sachen im Sinn. Sie fand immer noch ein Fleckchen an meinem Sweater, an dem ihrer Meinung nach noch ein paar mehr von ihren Haaren Platz hatten. Nachdem das hinreißende Spitzohr seinen kompletten Fellwechsel auf und an mir erledigt hatte, war ich nach ungefähr einer halben Stunde in Gnaden entlassen. Überall tanzten jetzt schwebende Katzenhaare im Gegenlicht der schräg stehenden Nachmittagssonne fröhlich in der Luft. Jedenfalls die, die Zsa Zsa mir nicht mit samtpfötigem Nachdruck einmassiert hatte. Jetzt hatte ich einen echten Katzenfellpulli an.

Wieder zu Hause angekommen, versuchte ich zunächst, dem Fellbesatz auf meinem Sweater mit einer Fusselbürste den Garaus zu machen. Das klappte nur bedingt. Denn auf der Heimfahrt hatten sich viele Katzenhaare bereits in das Baumwollgewebe reingeschraubt, und hielten sich dort jetzt geschickt festgekrallt. Immerhin schimmerte nun wieder etwas von dem ursprünglichen Schwarz durch. Das ermutigte mich zum Griff nach härteren Bandagen. Mit Paketklebeband bemühte ich mich, meinen Kapuzensweatshirt aus dem Klammergriff der Katzenhaare zu befreien. Und siehe da: Plötzlich leuchtete ein Licht am Ende des Tunnels! Es schien, als würden die sich langsam lichtenden Reihen der hellen Härchen endlich aufgeben. Zwar hielten hier und da noch einige wenige Partisanen meiner klebrigen List Stand. Doch die störten mich nicht mehr so wirklich, und ich ließ es dabei bewenden.

Hätte ich an dem Tag einen weißen Pullover getragen, dann hätte Zsa Zsa mit Sicherheit überwiegend ihre schwarzen Haare in großzügiger Filzwollstärke auf mir hinterlassen. So sind Katzen nun mal. Und nicht zuletzt dafür liebe ich sie 😉

– Milla Münchhausen –

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