TV-Simulator und anderer Abschreckschnickschnack

TV-Simulator

TV-Simulator

Im Discounter meines Vertrauens hatten die dicht umschwärmten Aktionsflächen heute etwas anzubieten, was mich durchaus nachdenklich zurückgelassen hat. Unter den aktuellen Offerten erblickte ich einen TV-Simulator, Attrappen von Überwachungskameras sowie Attrappen von Videoinstallationen. Also samt und sonders Gerätschaften, die keinem Zweck dienen, außer dem, dass sie so aussehen, wie sie aussehen. Natürlich kann ich mich noch an die Zeiten erinnern, als Möchtegern-Machos mit klammen Brieftaschen sich Autotelefon-Attrappen auf die Mittelkonsolen getackert haben, um schlicht gestrickte Weibchen in ihren Bau zu locken. Doch ein TV-Simulator soll ganz sicher keine Sozialstatus-Prothese sein, sondern hat eine gänzlich andere und ziemlich Besorgnis erregende Aufgabe: Der TV-Simulator soll durch die Fenster der guten Stube die Nachricht auf die Straße bringen, dass hier gerade eine fröhliche Großfamilie in persönlicher Anwesenheit und ständiger Wachsamkeit die Behaglichkeit der eigenen vier Wände hütet. Oder etwas krasser ausgedrückt:

Hey osteuropäisches Einbrecherpack, hier sind Leute daheim, die sofort die Polizei rufen!

Der TV-Simulator als Einbrecherschreck

Der TV-Simulator ist ein kleines LED-Gerät, das mit fröhlich buntem Geblinke die Illusion eines bewegten Fernsehbildes erschaffen möchte. Rote, grüne und blaue Lichtreflexe flackern dazu mal hier und mal da, und wenn man das Ganze von Draußen als undeutliche Lichtschau sieht, kann es auf den ersten Blick durchaus so scheinen, als liefe hier ein Fernsehprogramm. Doch warum schafft sich der Deutsche so einen TV-Simulator an? Weil hierzulande inzwischen eine ebenso große wie begründete Angst vor den Umtrieben jenes osteuropäischen Drecksgesindels herrscht, das Deutschlands Wohnungen als so eine Art wohlfeilen Selbstbedienungsladen ansieht. Wer will schon riskieren, dass diese soziopathischen ziehenden Gauner die eigene Wohnung gnadenlos durchwühlen, während man selbst ahnungslos seinen aushäusigen Tagesgeschäften nachgeht? Dazu kommt noch, dass die Aufklärungsquote von Wohnungseinbrüchen traurig niedrig vor sich hin dümpelt. Und selbst dann, wenn der hoffnungslos überforderten Polizei mal ein Schlag gegen diese osteuropäischen Dreckschweine gelingt, so heißt das noch lange nicht, dass man seine Sachen auch wieder zurückbekommt. Von dem lebenslangen Trauma, das ein gewaltsames Eindringen schmieriger Schwerverbrecher in die eigene heilige Intimsphäre auslöst, ganz zu schweigen. Sollte also der TV-Simulator auch nur ein einziges Mal dafür sorgen, dass verunsicherte Spähtrupps vorsichtshalber weiterziehen, um andernorts die Fenster und Türen ungestört aufzuhebeln, dann hätte sich die Investition in das Blinkedings ja schon gelohnt.

Der TV-Simulator als grandiose Geschäftsidee

Wenn man sich und sein Heim schützen kann, dann sollte man das natürlich auch machen, gar keine Frage. Traurig genug, dass man sich in dieser Sache längst nicht mehr auf den Schutz der staatlichen Ordnungshüter verlassen kann, sondern als Bürger im Kampf gegen die Kriminellen mehr oder weniger auf sich selbst gestellt ist. Doch ist es nicht vielleicht eine gefährlich trügerische Sicherheit, die man sich mit Attrappen wie dem TV-Simulator nach Hause holt? Wenn die osteuropäischen Banden schon vor echten Videoüberwachungsanlagen keine Scheu haben, warum sollten sie dann die Attrappen fürchten? Tatsächlich macht beim Verkauf solcher Spielzeuge irgendwie nur einer ein sicheres Geschäft, und das ist der Hersteller und Vertreiber von Attrappen dieser Art. Zumal sich diese an sich komplett sinnfreien Instrumente auf dem Nährboden der berechtigten Sorge um die private Sicherheit derzeit wie geschnittenes Brot verkaufen. Ich möchte gar nicht wissen (na ja, eigentlich schon), welche Margen die Hersteller beim tonnenweisen Abverkauf von TV-Simulator & Co. realisieren, ohne dass das damit verbundene Sicherheitsversprechen auch nur im Ansatz gehalten werden könnte. Darum hinterlässt auch das breit gefächerte Sortiment rund um den TV-Simulator bei mir irgendwie einen faden Nachgeschmack. Ist das nicht nur eine neue Art, den beunruhigten und geängstigten deutschen Konsumenten mit leeren Versprechungen wie eine Weihnachtsgans auszunehmen?

Was meinen Sie dazu? Wie denken Sie darüber?

– Milla Münchhausen –

 

 

Das Beitragsbild wurde in seiner ursprünglichen Form von http://www.picsforjoo.de/ bereitgestellt.

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