Das Puppenspieler – Paradigma

Das Puppenspieler-Paradigma

Das Puppenspieler-Paradigma

Der moderne Mensch sieht sich ja gern selbst als ein mit freiem Willen und uneingeschränkter Selbstkompetenz ausgestattetes Wesen. Doch einige Unken wollen partout nicht aufhören, ihr Lied von der „Welt am Draht“ (Rainer Werner Fassbinder, Deutschland 1973) zu rufen. Nach dieser konträren weltanschaulichen Grundlage, bzw. auf dem Paradigma der Fremdsteuerung fußend, wäre es so, dass wir Menschen nichts weiter als die Marionetten oder die Handpuppen einer anderen Intelligenz wären. Dabei könnte die „Anderen“ uns als eine Art „Daily Soap“ à la „Truman Show“ (Peter Weir, USA 1998) zur Unterhaltung nutzen, oder uns unter wissenschaftlichen Aspekten als zweibeinige Laborratten hernehmen. Vielleicht wollen uns unsere technisch haushoch überlegenen Drahtzieher aber auch einfach nur als lebendes Rohstofflager ausbeuten, wie es die „Matrix“ (USA 1999) in cineastischer Brillianz bestürzend real nahelegt? Keiner dieser Gedanken dürfte der selbst ernannten Krone der Schöpfung besonders behagen. Und dennoch scheint es manchmal nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein, dass da noch jemand anderes als unsereiner seine Finger mit im Spiel hat, wenn das Schicksal mal wieder Haken schlägt, und der Zufall zickt.

Wie geht es Ihnen persönlich mit der Vorstellung, nur eine (wenn auch relativ komplexe) Spielfigur auf einem kosmischen Schachbrett zu sein? Ich für meinen Teil sehe die Sache mit einem lachenden und einem nachdenklichen Auge.

Mal angenommen, ich bin wirklich nur ein Hologramm mit einem mir glaubhaft gemachten Eigenleben. Dann wäre ich nicht für meine Taten verantwortlich zu machen. Egal, ob ich jemand umgebracht oder ob ich den Friedensnobelpreis verliehen bekommen hätte. Denn die Summe meines Verhaltens und meines Erlebens hätte nicht ich zu verantworten, sondern der, der mich spielt, der mich führt, der an meinen Strippen zieht, die ich nicht wahrnehme, weil ich mich selbst für echt halte. Weil ich den Puppenbühnenboden für meine sich um mich drehende Welt halte. Niemand verklagt in der bunten Puppenkiste das böse Krokodil, weil es dem Kasperle den Kopf abgebissen hat. Keiner kann einer Handpuppe als einer solchen böse sein. Schuldfähig ist nur der, die die Hand in ihrem Hintern hat, und dort seinen Schabernack treibt.

Dieser Gedanke befreit doch irgendwie. Jedenfalls dann, wenn man eine Puppe ist.

Was glauben Sie? „Welt am Draht“ oder doch eher frei geboren? Philosophieren Sie ruhig ein bisschen. Das ist nämlich ein sehr spannendes Thema, bei dem es viel zu entdecken gibt.

– Carina Collany –

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1 Antwort

  1. Johnny sagt:

    Es sei in diesem Kontext auch an den Film „Tron“ erinnert, wo laufende Programme sich ernsthaft fragen, ob es wirklich leibhaftige User „da draußen“ gibt, oder ob das nur ein Irrglaube religiös fehlgeleiteter Firewalls ist. Vielleicht sind wir Menschen ja auch nur Programme, und irgend eine transgalaktische Freizeit-Community spielt „Die Sims“ mit uns. Weiß mans? Will mans überhaupt wissen?

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