Die Würde der Toten ist antastbar

Die Bestatterin Barbara Rolf traut sich was. Nämlich ganz schonungslos die ungeschminkte Wahrheit darüber zu sagen, wie hierzulande mit toten Menschen umgegangen wird, sobald keiner (mehr) hinguckt. Da werden den Toten teuer bezahlte Särge oder seidene Leichentücher unter dem Hintern weggezogen, um sie den nächsten Kunden erneut als Neuware zum Kauf anzudienen. Da “inspiziert” der vorgeschriebene Arzt die Leiche im Krematorium unter den pietätlosesten Umständen, wobei sowohl der hergerichtete Leichnam als auch das damit verbundene Andenken in fast schon soziopathisch anmutender Kaltschnäuzigkeit verwüstet werden. Und das gekühlte Lagern der Leichen lassen sich so manche schwarzen Bestatter-Schafe ebenfalls vergolden, wobei dann auf den kostenintensiven Betrieb funktionsfähiger Kühlaggregate auch schon mal gerne verzichtet wird. Der Tote selbst kann sich nämlich nicht mehr über den durch Habgier motivieren Verlust seiner Würde beschweren, und die Angehörigen kriegen von all diesen himmelschreienden Missständen nichts mit.

Zu all diesen bestürzenden Unsäglichkeiten beim guten Geschäft mit dem Tod schweigt Barbara Rolf nicht, wie in der ausgesprochen sehenswerten Dokumentation In Würde begraben? Albtraum oder guter Abschied in Wort und Bild nachvollzogen werden kann. Wer diesen Beitrag aufmerksam angeschaut hat, der wird sowohl im Hinblick auf seine hinfällig gewordenen Liebsten als auch im Hinblick auf den eigenen “letzten Weg” extrem nachdenklich und wahrscheinlich auch wütend werden. Ich kann in diesem Zusammenhang nur dazu raten, sich beizeiten qualifizierte Gedanken dazu zu machen, wie man sich selbst und seine künftigen trauernden Hinterbliebenen vor der kaltblütigen Abzocke gewissenloser Geschäftemacher wirksam schützt.

Barbara Rolf rät in dieser Hinsicht zu den folgenden, klar und deutlich hinterlegten Verfügungen:
  • Bestehen Sie darauf, den gesamten (!!!) Prozess der Bestattung mit Ihrer persönlichen Anwesenheit lückenlos zu begleiten. Als Hinterbliebene haben Sie das unbedingte Recht dazu, bei jedem einzelnen Schritt mit dabei zu sein. Ein empfehlenswertes Bestattungsinstitut wird Sie auf diese Möglichkeit ausdrücklich hinweisen und Sie auch ermutigend dazu einladen, dem Verstorbenen auf diese Weise bis zuletzt aufmerksam und achtsam zur Seite zu stehen, um seine Rechte und seine Würde zu wahren.
  • Bestehen Sie weiterhin darauf, dass der Amtsarzt die vorgeschriebene finale Leichenschau durchführt, bevor (!!!) der Tote für seinen letzten Weg versorgt und angekleidet wird. Denn dem Amtsarzt ist es herzlich egal, in welchem derangierten und würdelosen Zustand der inspizierte Leichnam am Ende wieder in den Sarg geklatscht und gequetscht wird.
  • Falls Sie daran glauben, dass der Tod ein Entwicklungsprozess ist, der seine Zeit braucht, bevor er endgültig abgeschlossen ist, dann legen Sie unbedingt fest, dass der Leichnam vor der Bestattung noch für sieben Tage in Kühlung aufbewahrt wird. Diese sieben Tage werden als ausreichende Frist für den Ablösungsprozess angesehen, welcher der Seele das tatsächliche und friedvoll harmonische Loslassen vom Körper ermöglicht.
  • Sorgen Sie dafür, dass der wehrlose Tote nicht mit Bekleidung oder mit Farbgebungen beleidigt wird, die er auch zu seinen Lebzeiten ganz entschieden abgelehnt hätte. Beerdigungen können und dürfen auch bunt sein, wenn das im Sinne und im Geiste des Verstorbenen ist. Soll der Tote angekleidet werden, dann bitte nur mit seinen wirklichen Lieblingssachen, die er auch im Leben immer gerne getragen hat. Und weder Särge noch Trauerfeierlichkeiten müssen schwarz daherkommen. Ein gutes Beerdigungsinstitut wird Ihnen gerne zeigen, welche perfekt auf den Toten zugeschnittenen Design-Möglichkeiten realisierbar sind.

Wenn die Würde des Menschen unantastbar sein soll, dann muss das auch für die Würde der toten Menschen gelten.

– Carina Collany –

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