Digitalisierung von Tonbandaufnahmen mit Grundig TK 147 und Mac OS 9

Liebe WUNDERBLOG-Leserschaft,

heute habe ich die besondere Freude und Ehre, Ihnen unseren neuen Gastautor Al 10 mit seinem ersten Gastbeitrag zum Thema „Digitalisierung von Tonbandaufnahmen“ präsentieren zu dürfen. Zu der nun folgenden Lektüre wünsche ich viel Spaß, jede Menge AHA-Erlebnisse und gute Unterhaltung

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Wie bin ich eigentlich hier auf diesem Blog gelandet? Angefangen hat es damit, dass mir schon seit längerer Zeit vorgeschwebt hat, die Stimmen meiner Verwandten aus den 60er Jahren zu digitalisieren, sozusagen per Digitalisierung von Tonbandaufnahmen für die Ewigkeit aufzubereiten. In der hintersten Ecke eines Schranks trieb ich nach langem Suchen ein „Magnetophonband 90 m Doppelspielband“ auf. Das zugehörige Gerät ist wohl schon lange über den Jordan in die ewigen Bandgründe in Afrika eingegangen. Welchem Markenstamm es angehört hat und wie es gearbeitet hat, bleibt im Verborgenen. Es muss aber um 1965 herum eingesetzt worden sein, unter anderem für Interviews, die ich beim 80. Geburtstag meiner Großmutter mit den Gästen geführt habe. Das war leicht anhand der Bandbeschriftung auszumachen.

Die nächsten Schritte waren noch recht einfach zu bewältigen: In den Kleinanzeigen eines bekannten Internet-Gebrauchtwarenhändlers nach einem passenden Angebot für ein Abspielgerät suchen. Beinahe wären mir sogar drei Geräte aufgeschwatzt worden. Zuhause angekommen, erstmal den Wählhebel des gerade erstandenen Grundig TK 147 Hi-Fi Stereo gängig machen, wie hier im Blog ausführlich besprochen. Ich fand meinen eigenen Weg mit einer Rändelmutter aus Metall. Die hält bestimmt noch länger als der ausgesägte Kugelschreiber. Belohnen konnte ich mich durch das Abspielen von 60er und 70er-Jahre Schnulzen, die der alte Besitzer in Form von analogen Signalen auf einem mitgelieferten Band hinterlassen hatte.

Ein paar Monate und noch einige graue Winterwochen später wurde aus meinen Überlegungen Ernst: Sollte ich wirklich einen meiner alten Macs für die

Digitalisierung von Tonbandaufnahmen

reanimieren? Mein neuer iMac kann das wohl kaum leisten, denn der ist schon vollständig im digitalen Zeitalter angekommen und hat anscheinend auch keinen Fuß mehr in der alten analogen Welt zurückgelassen. Ich entschied mich für einen alten Wegbegleiter aus den 90er Jahren: einen Power Macintosh 7500, den ich zuletzt mit Mac OS 9.1 betrieben hatte. Auf der Rückseite ist er reichlich mit Buchsen ausgestattet. Da sollte wohl was zu finden sein, was mein analoges Signal vom TK 147 akzeptiert. Ich entschied mich für den deutlich gekennzeichneten Mikrofoneingang.

Digitalisierung von Tonbandaufnahmen

Rückseite eines Power Macintosh 7500 mit Apple PlainTalk Mikrofoneingang

Jetzt kam ein echtes Problem für mich, und wir nähern uns dem Grund, warum ich hier auf diesem Blog zwischen Ledertaschen und Zitronensaft gelandet bin:

Wie die Piktogramme an den Anschlüssen des TK 147 interpretieren?

Prompt entschied ich mich für die falsche Buchse. Ich bestellte ein „Audio Kabel 5pol DIN Stecker auf 3,5mm Klinke Stecker“, um Buchse 3 mit dem Mikrofoneingang des Mac PowerPC zu verbinden.

Nach vielen vergeblichen Versuchen mit dieser Konfiguration, die ich hier unmöglich alle aufzählen kann, tat ich, was man heutzutage tun muss. Ich suchte und ich fand im Web einen Zugang zur Lösung über den gelungenen Beitrag von Daniel Deppe über die Restaurierung seines TK 147 HiFi de Luxe. Meine Anfrage wurde prompt von Carina Collany und J.J. Kater beantwortet und brachte mich auf die Idee, dass ich nicht an Buchse 3, sondern an Buchse 4 (mit dem Lautsprechersymbol) nach meinen Signalen saugen sollte.

Digitalisierung von Tonbandaufnahmen

Rückseite des TK 147 mit Lautsprecherausgang an Buchse 4

Und tatsächlich akzeptierte der Mac an seinem Mikrofoneingang diesen Input! Obwohl ich doch keinen Mac-spezifischen Stecker verwendet habe! Die Spannung, die der Mac-Stecker an seiner Spitze abgreift bleibt dabei ganz offensichtlich aus dem Spiel.

Digitalisierung von Tonbandaufnahmen

Gängiger 3,5 mm Klinkenstecker (oben) und Apple PlainTalk Stecker (unten)

Zur Software

Auf dem bewussten PowerMac unter Mac OS 9.1 benutze ich Audacity 1.0.0, das als Freeware aus mehreren Quellen im Web bezogen werden kann. Gleich beim ersten Versuch sendete mir mein TK 147 eine bemerkenswerte Sequenz, die ich dann noch vom Hintergrundrauschen befreit habe. Dazu spielt man dem Programm eine „leere Stelle“ vom Audiotape vor und lässt den so definierten Noise dann von der eigentlichen Aufnahme abziehen.

Als Tipp möchte ich noch weitergeben, dass manchmal ein Neustart des Programms Wunder wirkt, den Audioeingang zu erkennen.

Und die Moral von der Geschicht´?

Nix Genaues weiß man nicht. (Man beachte die doppelte Verneinung!):

  • Man benutze den Lautsprecherausgang des TK 147, um „Line out“ (Line level) zu erhalten.
  • Auf PowerPC Mac-Seite ist der Mikrofoneingang geeignet, das analoge Signal aufzunehmen, auch über vom Apple PlainTalk Standard abweichend geformte Klinkenstecker.
  • Als Software unter Mac OS 9 kommt das Freeware Programm Audacity 1.0.0 in Frage

Ich für meinen Teil habe mir damit einen Glücksstern #3 aus Carinas Blogbeitrag verdient. Sie können auch etwas zu Ihrem Glück beitragen, indem sie die hier dargestellten Ratschläge für die Digitalisierung von Tonbandaufnahmen befolgen oder in der einen oder anderen Hinsicht, vielleicht durch einen Kommentar, verbessern.

– Al 10 –

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2 Antworten

  1. Daniel Deppe sagt:

    Lieber Al10,
    erstmal meinen herzlichsten Glückwunsch zur gelungenen Digitalisierung. Die kann mit den verschiedensten Geräten übelste Probleme verursachen. Ich möchte an dieser Stelle noch mal hinzufügen, wie es technisch ganz richtig gewesen wäre. Die Buchse 1 am TK 147 liefert ein Line-Out und wäre das Mittel der Wahl gewesen. Die von Ihnen gewählte Buchse funktioniert zwar auch, verfälscht aber das Signal, weil Sie hier das Signal der eingebauten Endstufe abgreifen. Dieses wird „verformt“, damit das Gerät mit eingebautem Lautsprecher gut klingt. Über Line-Out kommt es ganz unverfälscht an.
    Der Adapter, den Sie anfänglich bestellt haben, könnte einer von jenen Exemplaren sein, der umgekehrt hätte eingesetzt werden sollen. Also am Klinkenstecker ein Signal rein und am 5-Pol-DIN wieder raus. Solche Adapter sind im DIN-Stecker oft nicht komplett an sämtlichen Pins belegt, weshalb Ihr Versuch dann vermutlich scheiterte.
    Am Mac wären die Cinch-Buchsen „Line In“ ideal gewesen, wobei ich als Nicht-Mac-User jetzt nicht weiß, ob der Mac das so geschluckt hätte.
    Ihre gewählte Variante ist trotzdem nicht falsch, denn sie hat funktioniert! Und das ist letztlich, was zählt!
    Ich wünsche Ihnen viel Freude mit Ihrem Gerät, ob mit oder ohne angeschlossenem Mac! 😉

  2. Al 10 sagt:

    Lieber Daniel Deppe,
    herzlichen Dank für Ihre Glückwünsche und Ihre ohne Zweifel wertvollen Hinweise.

    Zur Buchse 1: Wie interpretieren Sie das Piktogramm? Bedeutet das „Line out“? Bestimmt bekommt man die Übertragung auch mit dieser Buchse hin, wahrscheinlich sogar besser, wie Sie schreiben. Ich bin mit dem Signal von Buchse 4 ganz zufrieden, muss nur die Lautstärke anpassen. Der eingebaute Lautsprecher wird übrigens beim Einstecken automatisch abgeschaltet. Der senkrechte Strich im Symbol soll wohl darauf hinweisen. Deshalb habe ich Zweifel, ob da wirklich eine Aufbereitung stattfindet.

    Dass ich mit meinem eingekauften Kabel mit 5-Pol Stecker nicht zurechtgekommen bin, rechne ich nicht der Übertragungsrichtung zu. Darauf habe ich bei der Bestellung geachtet. Vielmehr schluckt der Mac bestimmt nicht alle Klinkenstecker, aber sehr wohl den, den ich im Blogbeitrag abgebildet habe. (Kein Stereostecker).

    Mit den Cinch-Buchsen habe ich auch experimentiert, bin aber nicht zurande gekommen. Vielleicht kann da noch jemand einen Tipp geben?

    Ich freue mich auf weitere Diskussionen.

    — Al 10

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