Hängt ihn höher, den Weihnachtsmann

Hängt ihn höher

Hängt ihn höher

Von der Straße aus sichtbare Weihnachtsdekoration à la „hängt ihn höher“ ist durchaus öffentliche Geschmackssache. Still vor sich hinleuchtenden LEDs kann man, insbesondere nach winterwunderlichem Sonnenuntergang, wohl immer eine gewisse behagliche Beschaulichkeit beimessen. Doch bei anderen Zielübungen auf zeitgeistliche Fettnäpfchen sind Volltreffer in die Schmerzzone buchstäblich vorprogrammiert. Selbstverständlich ist hier die Rede von all den ungezählten Nikoläusen und Weihnachtsmännern, die in zu Ewigkeit erstarrter Erfolglosigkeit an Regenrinnen, Balkonbrüstungen und Fenstersimsen emporzuklettern scheinen.

Hängt ihn höher

Ganz ehrlich – welcher hoffnungslos depressive Sarkast hat sich diesen Dekomüll ausgedacht? Wer will eigentlich einen übergewichtigen bärtigen Geschenkboten in gefährlich genickbrechender Höhe blödsinnig baumeln sehen, während der sich wochenlang um Einlass bemüht, aber dennoch sein Ziel nie erreicht, weil er keinen Millimeter von der Stelle kommt? Der bei Wind und Wetter einsam und allein draußen im Dreck hängt, ohne auch nur den mindesten Hoffnungsschimmer auf die Erfüllung seiner Mission zu sehen? Und der, grusel grusel, nach dem heiligen Abend unverrichteter Dinge wieder von der Hauswand abgepflückt wird, um das nächste Jahr seiner erbärmlichen Existenz in einem dunklen muffigen Keller vor sich hin zu schimmeln, fernab jedweder stillen oder gar heiligen Nacht? Wie pervers ist das denn eigentlich? Das würde man noch nicht mal mumifizierten Rentieren zumuten mögen.

Liebe Weihnachtsfreunde! Natürlich ist im Landeanflug auf das Fest der Feste ein netter optischer Willkommensgruß für das Christkind und ein visuell stimmungsvoller Schmuck stets gerne gesehen. Doch wer ausgerechnet den Weihnachtsmann zu einem abgehangenen Sinnbild ewigen offensichtlichen Versagens degradiert, der hat da irgendwie die Botschaft von „Alles schläft, Einer wacht“ gründlich missverstanden.

– Milla Münchhausen –

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Eine Antwort

  1. J. J. Kater sagt:

    Spricht mir aus der Seele – und ich mag diesen gruseligen Hausfassaden-Kitsch auch nicht mehr sehen.

    J. J. Kater

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