Gegen alle Verkehrsregeln

Heute wagen mein Mann und ich mal wieder das Abenteuer Straßenverkehr. Es ist deshalb ein Abenteuer, weil sämtliche Verkehrsregeln inzwischen offensichtlich nur noch dazu da sind, um missachtet zu werden.

Kaum in den fließenden Verkehr eingereiht, werden wir von wilden Spurwechslern gefährlich knapp geschnitten, die schon lange vergessen haben, wozu sie diese komischen kleinen pulsierenden gelben Lichter außen am Auto haben. Während wir brav vor der roten Ampel anhalten, fährt uns beinahe der Hintermann auf, wild und wütend dazu gestikulierend, dass wir gebremst statt beschleunigt haben. Wäre der doch nur auf der anderen Spur geblieben, wo wir auch noch dem dritten Auto verblüfft hinterherstaunen, welches seelenruhig bei blutrot über die Ampel heizt.

Als wir wieder in Fahrt kommen, fährt der BMW vor uns verräterische Schlangenlinien. Bald wird klar, dass der Fahrer lieber hochkonzentriert telefoniert, als aufmerksam auf den Verkehr zu achten. Damit befindet er sich in der schlechten Gesellschaft einer keineswegs schweigenden Mehrheit. Und während wir uns noch wundern, wie man sich selbst und andere so fahrlässig gefährden kann, nimmt uns eine mit bedrohlich rasantem Tempo daherfegende Frau an einer innerstädrischen Kreuzung eiskalt die Vorfahrt, um sich anschließend noch mit unmissverständlichem Ausdrucksverhalten über uns zu beschweren.

Den Schock des Beinahe-Unfalls und der Vollbremsung noch in den Knochen, müssen wir irgendwie mit einem anderen Verkehrsteilnehmer klarkommen, der die Spur nicht halten kann, und der uns darum längsseits immer wieder gefährlich nahe kommt. Wenn jetzt bloß nicht mal wieder irgendwer auf dem Parkstreifen einfach die Fahrertür aufreißt, ohne vorher einen Schulterblick zu riskieren. Ist uns auch schon mehr als einmal passiert.

Unangenehm aufgeregt treten wir den Heimweg an. Dazu müssen wir eine sehr schmale Straße entlang, die keine Einbahnstraße ist. Gegenverkehr ist in dieser Situation eine Millimeterarbeit, die von Rücksichtnahme und von prospektiver Intelligenz getragen werden muss. Leider treffen wir hier auch diesmal wieder auf einen von “Red Heat” inspirierten Autofahrer, der uns entgegen kommen sieht, und der daraufhin noch ein bisschen schneller und noch ein bisschen mehr zur Mitte hinfährt. Getreu dem Motto: Wer als erster bremst, oder wer gar stehen bleibt, hat verloren.

 

Nein, wir leben nicht in Neapel, obwohl dieser Gedanke sich nach dieser Schilderung geradezu aufdrängt. Wir müssen all diese anarchische Gesetzlosigkeit mitten in einer deutschen Großstadt über uns ergehen lassen. In Kombination mit immer dreisteren Straßenräubern, immer frecherem Pack und immer mehr passiv aggressivem Widerstand seitens einer von ignoranten Politikern kaltlächelnd im Stich gelassenen Bevölkerung.

Wenn es stimmt, dass der Krug so lange zum Brunnen geht, bis er bricht, dann sehe ich den letzten Gang des Kruges in allernächster Zukunft vor mir. Dann werden wir hier sehr bald Verhältnisse sehen wie in “Old Detroit“.

Nur leider werden wir dann noch keine guten RoboCops haben 🙄

– Milla Münchhausen –

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