Hilfe, meine Helden werden alt!

Hilfe, meine Helden werden alt!

Hilfe, meine Helden werden alt!

Ich bin eine bekennende Freundin knallharter Actionfilme. Und in dieser cineastischen Eigenschaft habe ich natürlich meine designierten Helden.

Da wäre, allen voran, selbstverständlich Arnold. Ich finde es schier unglaublich und auch unendlich anspornend, wie weit es dieser kleine Bub mit seiner großen Vision gebracht hat. Damals noch ein schmächtiger Hänfling, heute eine Ein-Mann-Armee, der sich nichts und niemand in den Weg stellen sollte, noch nicht mal der Leibhaftige persönlich. Arnold gibt jedem, was er verdient. Und er kommt zurück. Darauf konnte ich mich immer verlassen.

Oder Sly. Im Boxring mehrfach erprobt, in der rauen Wildnis als ausgebildeter Einzelkämpfer eine tödliche menschliche Waffe, die keinen Schmerz kennt. Selten hat es ein Mann geschafft, trotz Schlafzimmer-Dackelblick und bemerkenswert schiefem Mund so Ehrfurcht gebietend und Respekt einflößend zu imponieren. Kein Wunder bei diesen Muckis.

Und, nicht zu vergessen: Bruce. Der Mann, der weder langsam stirbt noch sonst wie tot zu kriegen ist. Egal, was man ihm antut, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort ist – nach wenigen Minuten ist er nur noch in einem blutigen zerrissenen Unterhemd und mit einer großkalibrigen Faustfeuerwaffe unterwegs, um allen Schweinebacken dieser Welt sein markantes „Yippie-Ya-Yeah“ entgegen zu schmettern, wenigstens in der kastrierten deutschen Synchronversion. Wer das hört, egal, in welcher Sprache, der kann gleich einpacken.

Relativ neu in meinem Sortiment ist Jason, der Transporter. Ultracool und ultrahart. Wenn der im guten Tuch so an die 30 bis unter die Hutschnur bewaffnete Nahkämpfer in der Tiefgarage zu Klump gedroschen hat, ist ihm noch nicht mal eine Bügelfalte verrutscht. Da bekäme sogar James Bond (egal, welcher) neidfeuchte Augen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Unlängst liefen in meinem Heimkino „The Expendables“ und „The Expendables 2“. Ein gefundenes Fressen für mich, denn in diesen Filmen kann ich alle und alles auf einmal haben. Der Cast ist so mit Muskeln und mit Testosteron und mit all meinen Helden vollgepackt, dass die Handlung sofort zur Nebensache wird (was den beiden Filmen durchaus zum Vorteil gereicht, um der Wahrheit die Ehre zu geben).

Doch was sehen meine stark kurzsichtigen Augen auf der Heimkinoleinwand? Die starken Männer, die mir so viele unvergessliche Phantasieabenteuer beschert und so viel KrachBummPäng geschenkt haben, sind alt und grau geworden. Selbstverständlich haben sie immer noch mehr als begnadete Körper herzuzeigen, und selbstverständlich können sie auch heute noch kraftvoll zuschlagen. Allerdings: Der Lack der Jugend ist irgendwie ab. Und meine nach wie vor hoch verehrten Helden nehmen dies im Film auch oft zum Anlass spitzzüngiger Selbstironie, was bei aller Pyrotechnik stets auch einen Hauch Liebenswürdigkeit über das stahlharte Kampfgetümmel wehen lässt. Dennoch umfängt eine gewisse Wehmut mein Herz, gepaart mit einer unliebsamen Selbsterkenntnis: Wenn Arnold, Sly, Bruce und Jason dem nagenden Zahn der Zeit nicht entkommen konnten, dann sollte auch ich morgens nicht mehr allzu kritisch in den Spiegel gucken.

Trotzdem versöhnt mich „The Expendables 2“ mit meiner Welt, wenn all die alten Recken mit aufgepumpten Muskeln und entschlossenen Minen in einer Linie mit schweren Waffen pausenlos feuernd einen Flughafen samt widerwärtigem Gangsterpack lückenlos niedermähen. Und wenn Arnold, der in einen Smart einsteigen soll, die Tür nicht aufmacht, sondern mit den Worten „Da sind meine Schuhe ja größer“ komplett aus den Angeln reißt. Dem anschließend gebrüllten Befehl „Schieß auf irgendwas!“ kommt mein Terminator natürlich umgehend nach. Hasta la Vista, Baby.

Hallo Jungs. Grau seid Ihr geworden. Doch das kann mir nichts von dem nehmen, was ich mit Euch und durch Euch hatte. Dafür werde ich Euch immer dankbar sein. Eine große letzte Bitte habe ich dennoch, und ich äußere diese in unbedingtem Respekt und in tiefer Bewunderung für Euer Lebenswerk: Bitte lasst das, was Euch so besonders und so perfekt macht, ab dem Tag in Würde ruhen, an dem Eure Glaubwürdigkeit zu leiden beginnen würde. Ich könnte es nämlich nicht ertragen, wenn Ihr, meine geliebten Helden, Euch irgendwann zum Brot machen würdet, nur weil Ihr den Absprung nicht geschafft habt.

Come with me if you want to live.

– Carina Collany –

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4 Antworten

  1. Carina Collany sagt:

    Ich wurde gefragt, wo denn in meiner Aufzählung VanDamme und Chuck Norris geblieben sind. Diese Frage ist berechtigt, weshalb ich gerne Stellung dazu nehme.

    VanDamme, der Belgier, hat sich für meinen Geschmack als ein Geschenk Gottes an die Menschheit (so sieht er es jedenfalls) immer viel zu ernst genommen. Selbstverständlich ist sein artistisches Markenzeichen, der schwebende Spagat, unvergessen. Aber wenn ein ansonsten humorarmer Mann nichts anderes als die Beine breit machen kann (OK, seeeeeeeeeehr breit :mrgreen:), dann gibt es dafür bei mir keine Punkte. Sorry.

    Chuck Norris ist ein Sympath, gar keine Frage. Und seine Choreographie ist atemberaubend. Mir persönlich hat er in dem Streifen Das stumme Ungeheuer (Originaltitel: Silent Rage) am besten gefallen. Aber all seine Nahkampfkünste können mich nicht über seine fehlende Fähigkeit zu mimischem Ausdruck hinwegtrösten. Ganz egal, ob sein Hund stirbt, ob ihm seine Freundin schmutzige Dinge ins Ohr sagt oder ob er sich mit einem Gesetzeshüter fetzt – er guckt immer gleich. Und das ist etwas, was mich bei Männern irritiert. Deshalb gibt es auch für Chuck Norris bei mir keine Punkte, obwohl ich ihn echt gut leiden mag.

    ÄäääktschnGrüße von Carina Collany 😎

  2. Milla sagt:

    Hallo Kollegin 😉

    was hälst Du von Gerard Butler als Nachwuchsheld? In dem Streifen „Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr“ macht er Arnold und Bruce jedenfalls alle Ehre :mrgreen:

    Mei, deesisa Äääääktschnfüüm 😆

  3. CC sagt:

    @Milla: Ein dickes fettes LIKE dafür 😎

    Kein Wunder: Die Produzenten von diesem amerikanischen Patrioten-Traumkinofilm haben schließlich auch die beiden „Expendables“ aus der Kinotaufe gehoben.

    Bruce und Arnie standen also gewissermaßen Pate. Was kann da noch schiefgehen?

    Gar nix 🙂

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