Lichtfeldfotografie – spacig oder sinnfrei?

Der absolute Renner auf der Photokina 2014 war die taufrisch auf den Profi-Markt geworfene Lichtfeldkamera von Lytro. Da konnten experimentierfreudige Foto-Freaks über die Tatsache staunen, dass in einem einzigen Bild (ja, in EINEM EINZIGEN!!!) von Entfernung Null bis Unendlich sämtliche Tiefen(un)schärfe-Informationen abrufbereit und anwendbar hinterlegt sind und dass dadurch eine einzige Aufnahme quasi wie ein Film abgespielt werden kann. Und das völlig ohne Fokussiervorgang beim Fotografieren. Möglich wird dieses Wunder durch gefühlt unzählige Mikrolinsen vor dem eigentlichen Bildsensor. Das ist ungefähr so, als wolle ein Tier mit seinen Facettenaugen eine holographische Aufnahme in 4D-Qualität :mrgreen: machen. Die Ergebnisse der Lichtfeldfotografie sind jedenfalls ebenso spektakulär wie verblüffend:

Lytro Illum Lichtfeldkamera – Praxis-Test deutsch | CHIP‬

Interessanter Weise ist das physikalische Prinzip der Lichtfeldfotografie alles andere als neu. Denn schon im Jahr 1908 trat der Entwickler dieser optischen Opulenz, Gabriel Lippmann, mit diesem Konzept an das Licht der Öffentlichkeit; damals unter dem eher sperrigen Begriff der „Plenoptischen Kamera„.

Seit dem haben sich führende Unternehmen immer wieder an einer konkret praktischen Umsetzung der physikalisch theoretischen Darlegungen versucht. Darunter so klangvolle Namen wie Adobe, Raytrix, HTC, Google, Nokia und Lytro. Letzteren ist es nun gelungen, die Lichtfeldfotografie einem breiteren Fachpublikum zugänglich zu machen. Auch wenn der Preis für diese angewandte Physik im Geldbeutel des kleinen Mannes noch ein gähnend klaffendes Loch reißen dürfte.

Wer braucht das denn überhaupt?

Gute Frage 😉

 Zunächst dürften sämtliche „Kinder im Manne“ an diesem exklusiven High-Tech-Spielzeug ihre lichtstarke und knackscharfe Freude haben.

 Darüber hinaus ist die Lichtfeldfotografie im Medizin-Bereich ein segensreiches diagnostisches Werkzeug: Auf einem einzigen ins Blaue geschossenen Bild können anschließend sämtliche Details und Facetten per nachträglicher Tiefenschärfen-Erweiterung („Focus Stacking“) detailreich herangezogen werden.

 Auch Werbe- und Produktfotografen entdecken inzwischen die Lichtfeldfotografie als Mittel zum Marketing-Zweck. Denn in Online Katalogen und Prospekten können die Kunden dann auf einem einzigen Bild nach Belieben spazieren gehen, was enorme Vorteile bietet.

Falls Ihnen persönlich noch eine ganz andere Anwendung einfällt, und Sie das nötige Kleingeld übrig haben, dann wünsche ich Ihnen viel Spaß beim privaten Experimentieren mit der aus der Vergangenheit erwachsenen Zukunft des digitalen Fotografierens.

– Carina Collany –

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