Mit dem UFO zurück in die 70er

Bestimmt gibt es eine Fernsehserie, die Sie als Kind heiß und innig geliebt haben, und die sich inzwischen in Ihrer erwachsen gewordenen Wahrnehmung leider mehr oder weniger entzaubert hat. Bei mir fallen hauptsächlich Science Fiction Serien in diese TV-Zeitreise-Rubrik. Ja, ich gebe es ganz offen und ehrlich zu, dass ich damals als kleiner Fernsehjunkie all die Sanitärarmaturen an Bord des schnellen Raumkreuzers Orion 8 genau so heilig ernst genommen habe wie sämtliche neuen Lebensformen, die mein hoch verehrter Captain James T. Kirk in allen Quadranten des Universums entdeckte. Selbstverständlich zog ich es auch damals schon in Betracht, dass nicht alle Aliens sich meinem Heimatplaneten in friedlicher Absicht nähern würden. Aus diesem Grund hat es mich und mein kindliches Gemüt durchaus beruhigt, dass es eine streng geheime Organisation namens „S.H.A.D.O.“ gab (Supreme Headquarters Alien Defence Organisation), die die Erde gegen extraterrestrische Übergriffe wirksam zu verteidigen vermochte. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft kämpften tapfere Spezialisten mit modernster Technik gegen das grüne Grauen aus dem All. Ich war von dieser Show, die in den 70er Jahren über die Mattscheibe flimmerte, total fasziniert. Und ich darf sagen, dass ich keine einzige Episode, die seinerzeit für die deutsche Ausstrahlung freigegeben und gesendet wurde, verpasst habe. Auch wenn ich dafür nicht selten ziemlich derbe gegen die pädagogischen Bestrebungen meiner Eltern vorgehen musste.

Auch heute noch bemerke ich wohlige Adrenalineinschüsse, wenn ich mir den Trailer von UFO digital aus der Tube drücke und ganz genüsslich retromäßig reinziehe:

Trailer of TV series UFO

Allerdings ist dieses hormonell induzierte Kribbeln nicht mehr dem männlich markanten Anblick von Colonel Paul Foster geschuldet 😉 sondern dem sich pausenlos aufdrängenden Vergleich zwischen dem, was man Ende der 60er dachte, wie es in ferner Zukunft mal sein würde, und dem, wie es tatsächlich gekommen ist. Da gibt es für technophile Zeitreisende wirklich jede Menge Bauklötze zu staunen und natürlich auch viele krude Hirngspinste milde zu belächeln.

Natürlich kommen bei UFO auch Freunde und Liebhaber des charakteristischen und einzigartigen 60/70er Jahre Zeitkolorits ganz und gar auf ihre Kosten. Denn abseits der (teilweise durchaus skurrilen und ansatzweise leicht dadaistischen) Spielhandlungen gewährten Ed Straker und sein todesmutiges Team immer auch faszinierende Einblicke in das moderne Design und in den technischen Fortschritt dieser Zeit. So blickt der Betrachter mit Faszination und, ein gewisses Lebensalter vorausgesetzt, auch mit vergnüglicher Wehmut auf die Frisuren, die Mode, die Wohnungseinrichtungen und die Fahrzeuge dieser Zeit. Diese bildstarke Zeitreise vorwärts in die Vergangenheit ist allerdings nichts für humorarme Emanzen. Denn die müssten dabei auf supererotisch körperbetont gewandete Raketenwissenschaftlerinnen in Mikrominis klarkommen, deren großzügig zur Schau gestellte Milchbar visuell mit einer violettmetallisch glänzenden Frisur konkurriert, unter der ein durchaus helles Köpfchen sehnsuchtsvoll zum starken männlichen Geschlecht aufschaut. Wobei das männliche Geschlecht hier wirklich nicht zu verachten ist. Vor allem in den grobmaschig neckischen Netzhemdchen mit gar nix drunter … aber ich schweife gerade etwas ab. Nehmen Sie es mir bitte nicht übel 😉

Wenn Sie Spaß an optisch opulenten Zeitreisen in die späten Sechziger und frühen Siebziger im westlichen Sektor von Terra haben, und wenn Sie mal dazu schmunzeln wollen, wie sich frühe Visionäre technische Vollkommenheit ganz ohne Apfel vorgestellt haben, dann gönnen Sie sich doch einfach mal einen Besuch in den Kellergewölben der Harlington-Straker Filmstudios. Sie werden, so oder so, von dem retrofuturistischen Ambiente hellauf begeistert sein.

– Carina Collany –

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