PsychoPuzzle: Angst als Schutzwall?

PsychoPuzzle: Auf die innere Stimme hörenAngst als unangenehme Emotion ist dem Menschen gegeben, damit er Dinge und Situationen vermeidet, die schädlich, gefährlich oder sogar tödlich sein könnten. Insoweit ist eine gesunde und sachlogisch begründete Angst immer ein guter Ratgeber, der gehört werden will und muss. Neben dieser „vernünftigen“ Angst gibt es allerdings auch jene Angstgefühle, hinter denen wir uns feige verstecken, um bestimmten Sachen willentlich, aber entschuldet, aus dem Wege gehen zu können. Diese „Feigenblatt-Furcht“ erkennt man ganz leicht an einer einzigen freien Satzergänzung, die man sich in der Diskretion der eigenen mentalen vier Wände ganz still selbst zur Aufgabe stellen kann:

„Wenn ich diese Angst nicht verspüren würde, dann könnte ich … „

Na? Welchen internen Kurzaufsatz haben Sie jetzt an die Wandtafel Ihres Geistes geschrieben? Vielleicht erkennen Sie Ihre Version in einem der folgenden drei Beispiele wieder:

Ich bin nur deshalb mit meinem Studium noch nicht fertig, weil ich so große Prüfungsangst habe. Hätte ich diese Angst nicht, könnte ich mich sofort für das nächste Semester zum Examen anmelden und anschließend gleich in einen qualifizierten Beruf gehen.

Ich bin nur deshalb noch in diesem gehassten Job, weil ich Angst davor habe, es als Gründer und Selbstständiger nicht zu packen. Hätte ich diese Angst nicht, könnte ich noch heute einen echt tollen Businessplan vorlegen und schon morgen freiberuflich mit meiner wirklich guten Geschäftsidee durchstarten.

Ich erhalte meine Beziehung nur noch deswegen aufrecht, weil ich Angst davor habe, nach einer Trennung keinen neuen Partner mehr zu finden. Hätte ich diese Angst nicht, würde ich meine derzeitige Partnerschaft nun konsequent beenden, und mich auf dem Partnermarkt nach einem Menschen umschauen, der all meine Werthaltungen, meine Lebensanschauungen und meine Hobbys gerne mit mir teilt.

Bestimmt fällt Ihnen nun auf, dass Ihre „Alibi-Ängste“ Sie nicht beschützen, sondern behindern. Der Satz Wenn ich diese Angst nicht hätte, dann würde ich …“ weist immer auf einen behaglichen Spatz in Ihrer Hand hin, den Sie aus purer Bequemlichkeit nicht für eine Taube auf dem Dach fliegen lassen wollen.

Das muss natürlich nicht schlimm sein. Schließlich gibt es auch neue Erfahrungen, auf die man wirklich gut und gerne verzichten kann. Doch wenn Sie zu der Einsicht kommen, dass Sie ein Angstgefühl nur deshalb hegen und pflegen, um es als Schutzbehauptung und als Entschuldigung für mangelnde Lebenskonsequenz hernehmen zu können, dann sollten Sie sich die Frage stellen, ob Ihr gemütlicher Verbleib in einer durchgesessenen Komfortzone wirklich verlockender ist, als ein mutiger Aufbruch zu neuen Ufern.

– Carina Collany –

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