#regrettingmotherhood – Ein Tabu bröckelt

#regrettingmotherhood

#regrettingmotherhood

Qualifizierten wissenschaftlichen Schätzungen zufolge wünscht sich jede zehnte deutsche Mutter, dass sie sich am Tage X standhaft, voll bewusst und selbstbestimmt gegen ihre Schwangerschaft entschieden hätte. Unter dem Hashtag #regrettingmotherhood äußern sich diese im Nachhinein bereuenden Mütter über die Beweggründe ihrer heutigen bedauernden Gefühle. Und weil es in unserer grotesk kinderverherrlichenden Gesellschaft ein absolutes Tabu ist, die angeblichen Freuden der Mutterschaft auch nur ansatzweise in Zweifel zu ziehen, sehen sich die kritischen Frauen mit ihren individuellen Aussagen unfassbar bösartigen und zutiefst ungerechten Anfeindungen ausgesetzt. Zum Glück sorgen in jüngster Zeit mutige Forscherinnen wie die Soziologin Christina Mundlos für ein etwas thementoleranteres Klima, in dem das Tabu rund um #regrettingmotherhood sowohl konkret beleuchtet als auch rational aufgeklärt gebrochen werden darf.

#regrettingmotherhood – Die Gründe

Um eines gleich ganz klipp und klar festzustellen: #regrettingmotherhood bedeutet keinesfalls, dass die betroffenen Mütter ihre Kinder nicht mögen würden. Die grundsätzliche mütterliche Zuneigung steht hier definitiv nicht zur Debatte. Vielmehr ist es die belastbar belegbare Tatsache, dass Kinder das erwachsene und selbstbestimmte Leben der Mutter komplett aus dem Tritt bringen, und das für viele lange Jahre. Denn die sattsam bekannten Fakten sprechen für sich:

  • An einen regelmäßigen, ungestörten und ausreichenden Schlaf ist nicht mehr zu denken.
  • Der ganze Tag dreht sich nur noch um Kacke, Kotze und Kinderpflege. Jeder Tag. 24-7-365.
  • Ausgehen, erwachsenen Spaß haben und eigene Interessen verfolgen ist komplett gestrichen.
  • Mit entspanntem und/oder spontanem partnerschaftlichen Sex ist es auch vorbei.

Erschwerend kommt der immense gesellschaftliche Druck hinzu, der einer zur Mutter gewordenen Frau jegliches Recht auf ein selbstbestimmtes Leben oder gar auf die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse in vollem Umfang abspricht. Die Frau wird sozusagen in der Mutterrolle eingekerkert, angekettet und buchstäblich versklavt. Ab sofort zählt nur noch das Kind mit all seinen unendlichen Ansprüchen. Die Frau hinter der Mutter hat keinerlei eigene Existenzrechte mehr. Sie wird zur Leibeigenen ihrer eigenen Leibesfrucht degradiert. Und wehe, die Mutter würde sich mal darüber beklagen, dass sie kein eigenes Leben mehr führen kann. Oder dass sie es herzlich leid ist, nur noch als tadellos funktionierende und altruistisch aufopferungsbereite Brutpflegerin auf Anerkennung hoffen zu dürfen. Dann lässt der erste Steinwurf einer durch und durch selbstgerecht seibernden Gutmenschengesellschaft nicht mehr lange auf sich warten.

#regrettingmotherhood – Zwei Lösungsvorschläge

  1. Wenn Mütter nicht mehr im Stillen unter dem täglichen Psychoterror ihrer Situation leiden müssten, sondern sich offen und ehrlich artikulieren dürften, um Verständnis und Hilfe zu finden, dann wäre schon mal jede Menge Druck aus dem Kessel genommen worden. Wie so oft gilt nämlich auch hier, dass ein Problem nicht durch moralinsaures Totschweigen verschwindet. Würde die ach so tolerante Gesellschaft endlich mal damit anfangen, die sehr realen Sorgen und seelischen Nöte geplagter Mütter nicht zu verteufeln, sondern zu begreifen und zu akzeptieren, hätten viele betroffene Frauen mit dem Hashtag #regrettingmotherhood die Gelegenheit, mit ihrer Situation besser umgehen zu lernen.
  2. Eine Gesellschaft, die so unglaublich begierig und so verstörend demonstrativ auf immer noch mehr Kinder aus ist, sollte Frauen, die die beschwerliche Mutterschaft auf sich nehmen wollen, entsprechend kräftig unter die Arme greifen. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass solche Fässer ohne Boden wie etwa die Herdprämie oder das Kindergeld noch weiter ausgedehnt werden sollten. Ganz im Gegenteil. Das Kinderkriegen sollte (meiner Meinung nach) keinesfalls für die Einzelfamilie finanziell, sondern für alle Familien praxisorientiert erleichtert werden. Will heißen: Krippenplätze, Kindergartenplätze, Babysitter und Tagesmütter bzw. Tagesväter satt. Damit sich die Mutter immer dann, wenn es ihr gut tut und wenn sie es braucht, wieder in eine richtige echte erwachsene Frau zurückverwandeln kann. Sind solche kleinen Fluchten aus den deprimierenden Windelwelten problemlos zu realisieren wie auch sozial akzeptiert, kann die anschließend wieder einzunehmende Mutterrolle mit Sicherheit deutlich entspannter ausgefüllt werden.

#regrettingmotherhood – Das Fazit

In einer durch und durch verlogenen und absurd selbstgerechten Gesellschaft, die einer Mutter jegliches Recht auf ihr selbstbestimmtes Leben als Frau, Person und Mensch abspricht, muss es zwangsläufig zu solchen Phänomenen wie #regrettingmotherhood kommen. Würden die betroffenen Frauen, immerhin gute 10% aller deutschen Mütter (plus Dunkelziffer), mit Respekt und Verständnis behandelt, und würden die mehr als berechtigten Wünsche dieser Frauen auf Selbstverwirklichung gerecht und realitätsbezogen gewürdigt, dann müsste die unbestrittene Zuneigung dieser Frauen zu ihren Kindern keine sinnlosen Zerreißproben mehr über sich ergehen lassen.

– Milla Münchhausen –

 

 

Das Titelbild zu diesem Beitrag stammt von:
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2 Antworten

  1. Tamara Wolf sagt:

    Ich habe mich diesem Wahnsinn verweigert.Kein Kind.Bin glücklich mit meinem jetzigen Partner,wir geniesen unsere Freiheiten.Verhütung habe ich mit der Essure Methode gelöst(Sterilisation).Bei dieser überbevölkerten Welt meiner Meinung nach die einzig richtige Lösung.

  1. 30. Januar 2018

    […] früher oder später bis zum allerletzten Cent abstottern müssen, können Millionen von Eltern Kohle ohne Ende einstreichen und locker lässig […]

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