Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?

wasglaubenJeder einzelne von uns wird von seinen verschiedenen Umwelten und seinen unterschiedlichen Sozialpartnern immer wieder anders wahrgenommen und kategorisiert. So findet sich ein und derselbe Mensch an einem einzigen Tag vielleicht als morgenmuffeliger Partner, als umgänglicher Arbeitskollege, als nerviger Supermarktkunde, als gern gesehener Stammgast, als unwiderstehlicher Liebhaber und als jovialer Kegelbruder in der jeweiligen Rolle seines Lebens auf der Bühne seines prallen Alltags wieder. Und so kann es passieren, dass zehn Personen, die man fragen würde, wie Sie denn den Herrn A. oder die Frau B. beschreiben könnten, mit zehn verschiedenen Versionen aufwarten würden, hinter denen ein Außenstehender niemals den selben Menschen sähe.

Für gewöhnlich ist dieses sozial begründete Rollenverhalten unproblematisch. Denn wenn wir dann und dort in eine bestimmte Rolle schlüpfen, die „die Leute“ am jeweiligen Ort zur jeweiligen Zeit von uns erwarten, dann ist das System in gefühlter Harmonie, und alles ist gut. Richtig spannend wird es erst dann, wenn man uns in eine Rolle zwängen will, die wir nicht (mehr?) übernehmen können oder wollen, weil es sich einfach nicht (mehr?) gut und richtig anfühlt. Dann entsteht eine Situation, in der unser soziales Gegenüber nicht das von uns geboten bekommt, was kontextbedingt erwartet oder erwünscht gewesen wäre. Und sollte der solcherart verblüffte Mensch sich selbst als ranghöher wahrnehmen, dann könnten wir schon mal die aggressiv betonte Frage zu hören bekommen, die Sie hier oben als Überschrift sehen.

Eine Frechheit! Oder?

Wenn ein Gesprächspartner meint, uns mit diesen oder ähnlichen Worten provozieren und zurechtweisen zu müssen, so hat das verschiedene Ursachen, mit denen Sozialpsychologen sich bereits zur Genüge beschäftigt haben. Deshalb will ich hier und heute auch auf etwas ganz anderes hinaus. Ich möchte Sie nämlich heftig dazu ermutigen, sich diese aufreizende Frage einmal ganz bewusst selbst zu stellen:

Was glauben SIE, wer Sie sind?

Um sich dazu selbst aufrichtig und ehrlich antworten zu können, müssen Sie sich zunächst von sämtlichen Erwartungen frei machen, die Ihr soziales Umfeld für gewöhnlich an Sie heranträgt. Vergessen Sie für einen klärenden Moment, wie Freunde, Familie, Kollegen und Bekannte Sie am Liebsten hätten, und denken Sie buchstäblich nur an sich. Wie und was sind Sie wirklich, wenn Sie mit sich alleine sind, los und ledig jeder von Ihnen geforderten mitmenschlichen Rechenschaft? Sind Sie ein Glücksbringer, ein Angsthase, eine Führernatur, ein Entdecker, ein Heiler, ein Prophet, eine graue Eminenz, ein Sünder, ein Space Cowboy, ein Ganove, ein Witzbold, ein Spielkind, ein Rebell?

Wahrscheinlich nichts von alledem oder von jedem Etwas – aber auf jeden Fall haben Sie jetzt eine Vorstellung davon, was gemeint ist. Nun können Sie in einem zweiten Schritt betrachten, welche der Rollen, die Sie jeden Tag spielen müssen, am besten mit dem, was Sie sind, zusammenpassen. Da werden Sie sehr schnell feststellen, dass Ihnen jene Akte des Alltags, in denen Sie einfach nur sich selbst spielen müssen, am leichtesten von der Hand gehen, und Ihnen die besten und schönsten Erfolge einbringen. Diejenigen Rollen dagegen, für die Sie sich schmerzhaft verbiegen müssen, um reinzupassen, bescheren Ihnen weder Spaß noch langfristigen Profit.

Danke für den Hieb, Freund!

Wenn sich das nächste Mal jemand breitbeinig vor Ihnen aufbaut und Sie wutschnaubend fragt, für wen Sie sich eigentlich halten, dann sollten Sie nicht böse werden, sondern vielmehr für diesen Wink des Schicksals dankbar sein. Denn dann sollen Sie innehalten und sich der Tatsache gewahr werden, dass hier gerade etwas abläuft, was nicht zu Ihrem wahren Wesen passt, und was Sie sich folgerichtig auch nicht (mehr?) länger antun sollten. Lächeln Sie Ihren Wegweiser dann einfach entwaffnend und offen an und antworten Sie: Ich halte mich für den Menschen, der seiner eigenen Bestimmung folgt, und der seine eigenen Überzeugungen lebt. Genau das selbe empfehle ich Ihnen auch. Ist übrigens auch besser für Ihren Blutdruck.

So cool kann authentisch sein. Und wenn Sie dann in Zukunft mehr und mehr Sie selbst sind, in allem, was Sie tun und lassen, dann werden Sie sehen, dass Ihr Leben eine ganz neue Qualität gewinnt. Wenn Sie es zu- und sich darauf einlassen können.

– Carina Collany –

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