Lobgesang auf mein Heimkino

Lobgesang auf mein Heimkino

Lobgesang auf mein Heimkino

Ich liebe gute Kinofilme. Und ich liebe es, mich in einem cineastischen Augen- und Ohrenschmaus verlieren zu dürfen. Das ist für mich einer der schönsten Flows, der mich Raum und Zeit und mein eigenes kleines von Alltagssorgen gebeuteltes Ego beschwingt vergessen lässt. Aus diesem Grund war auch mein Lieblingskino früher der Tempel meiner Seele und der Jungbrunnen meiner Phantasie. Doch dieser heimelige Hort vergnüglicher Kurzweil ist schon vor einiger Zeit von einem der modernen seelenlosen Multiplex-Monster gnadenlos zertreten und zermalmt morden. Ab sofort steht da nicht mehr der Kinogenuss, sondern das gedankenleer unappetitliche Wegfressen von versoßten Nachos und das ebenso ermüdende wie lästig lautstarke Brunftgehabe pickeliger Halbstarker im Mittelpunkt. Will ich mir als recht kräftig zur Kasse gebetener Kinobesucher von diesen wohlstandsverwahrlosten Hirnspendern den Spaß verderben lassen? Nein, das will ich nicht. Und darum überlasse ich die hornissennestförmig architektierten Trutzburgen juveniler Debilität den Besitzern der Schneider’schen Aktentaschenakne und richte mich stattdessen in meinem eigenen Heimkino ein – einer der besten Erfindungen zeitgenössischer Unterhaltungselektronik überhaupt.

Wann Pause ist, bestimme ich!

Die meisten Leute, mich eingeschlossen, müssen immer dann „auf 17 gehen“, wenn es gerade am allerwenigsten passt. Wie zum Beispiel eingepfercht in eine Horde vernichtend einparfümierter Handyabschaltvergesser, die sich gerade lautstark gegenseitig die auswendig gelernten Dialoge vorsagen. Diese Zeiten drangvoller Blasenqual sind für mich kein Thema mehr. Denn wenn ich jetzt beim Filmgenuss mal muss, dann stoppe ich meine Pixelschleuder ganz einfach mitten in der Aktion und gehe meiner unvermeidbaren Wege. Natürlich bringe ich mir auf dem Rückweg noch entsprechenden Getränkenachschub sowie frische Kinonahrung mit. Erst dann, wenn ich wieder bequem sitze und die Füße venenfreundlich hochgelegt habe, geht es heiter weiter. Yeah! Gib ihm!

Keine Kostenfallen mehr

Die heutigen Kinopreise sind so gesalzen und gepfeffert, dass einem die Augen tränen können. Für das Geld, das mich im Cinestarplexmultihastenichgesehn zwei Kinokarten und ein wenig Unterstützung für das leibliche Wohl kosten, kann ich mir:

– für mein eigenes Heimkino den Originalfilm auf DVD oder in Blau kaufen, und zwar
– in der nicht von der FSK kastrierten, sondern in der unzensierten Fassung.
– Außerdem gibt’s in der Küche mein eigenes Lieblingsnaschwerk nebst Kaltgetränken.
– Wenn ich will, gibt’s sogar Popcorn – und zwar das gesalzene fettfreie, jawoll!

Hat mir der Film gut gefallen, behalte ich ihn, und schaue ihn mir irgendwann noch mal an. War er dagegen nicht so wirklich mein Ding, verticke ich die Scheibe zeitnah bei ebay, und refinanziere damit ganz entspannt den Reinfall. Versuch das mal mit abgerissenen Kinokarten.

Ohne (Um)Wege zum Ziel

Was ich mir außerdem noch spare, und das aus voller Überzeugung, ist das nervige Rumgeeier mit dem Auto hin zum Kino und dann wieder zurück nach Hause. In Anbetracht der astronomischen Spritpreise, der mafiösen Gebühren im Parkhaus oder auch der unverschämten Beförderungsentgeltforderungen des öffentlichen Personennahverkehrs (in letzterer ist nur die Lieferung der Erreger hochgradig ansteckender Krankheiten kostenlos mit enthalten) finanziert mir dieser bequeme Verzicht auf das „Abenteuer Anreise“ glatt das nächste häuslich Kinoevent. Und das kommt ganz bestimmt. So bestimmt wie Arnolds unvermeidliches und legendäres „I’ll be back“. Und wenn wir schon dabei sind: Zu Hause kann ich mir den Film meiner Wahl auch mit dem jeweiligen Originalton zu Gemüte führen. Go ahead, make my day!

Fazit

Ich müsste ja geradezu geblitzdingst sein, wenn ich mich unter all diesen Umständen (und unter all den anderen Umständen, die ich hier noch nicht mal angeschnitten habe) in einem Legebatteriekino unter all die ekelhaften und mental enorm geforderten Aliens mischen würde, die sich aufgrund eines hirnrissigen Jugendwahns für die glorreiche Zukunft dieses Landes halten. Ich lade mir lieber ausgesuchte Freunde zu mir nach Hause ein, mit denen ich kultiviert Kinoparty machen mag. Oder auch Kinotherapie, wenn das mal sein muss. Heimkino kommt halt immer gut. Mein ganz privates Cinema Paradiso eben. Cut!

-Milla Münchhausen-

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5 Antworten

  1. Thomas sagt:

    Huhu Milla, hast Du da am Projektor nicht ein bisschen zu viel weggefotoschoppt 😛

  2. Milla Münchhausen sagt:

    Respekt! Hast ein scharfes Auge 😎

  3. Olle sagt:

    Haha, beim lesen des Texts musste ich echt schmunzeln, du hast eine unheimlich gute Schreibe, zumindest solange man der deutschen Sprache weitgehend mächtig ist. Da würde es mich doch mal interessieren, welche Komponenten dein Heimkino denn enthält?

  4. Milla sagt:

    Hi Olle, danke für die Blumen 🙂

    an dieser Stelle muss ich gestehen, dass es nicht mein Heimkino alleine ist. Tatsächlich ist mein Mann der designierte Kinotechniker in unserem Haushalt. Er hat dafür gesorgt, dass wir uns sowohl per gediegener Pixelschleuder (in Wandhalterung unter der Decke) auf Groß-Motor-Leinwand (selbstspannend) mit Dolby 5.1 (über Soundsystem) als auch, voll retro, per 35mm Kinoprojektor (eine herrliche FP30) die Filme unserer Wahl reinziehen können. Und wer weiß? Vielleicht rüsten wir eines plastischen Tages sogar auf einen 3D-Beamer hoch. Das steht aber noch in den Sternen 😉

    Hach, Kino … *schwärm*

  1. 9. April 2017

    […] gönne ich mir im gut gebauten Heimkino einen spannenden Film und bin schon ganz in die Handlung auf der Leinwand eingetaucht. Auf der […]

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