Die Ruhe nach dem Sturm

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Gestern Abend stand eine drückend schwülheiße Luft in der Wohnung, die nach dem großflächigen Öffnen der Fenster verlangte. Es war so stickig, dass jeder leiseste Lufthauch herzlichst willkommen geheißen wurde, Dann, ganz allmählich, frischte es ein wenig auf, und die Blätter der Bäume wiegten sich sanft in einer freundlichen Brise. Allerdings wandelte sich die Brise bald in einen stürmisch auffrischenden Wind, der dunkel drohende Gewitterwolken in den Himmel über unserer Straße schob. Schon klopften die ersten Regentropfen an, und das angekündigte Wärmegewitter schien seinen Lauf zu nehmen. Was allerdings hier passieren sollte, habe ich in meinem ganzen Leben noch nie zuvor mitgemacht.

Blitz und Donner

kamen erst noch in gewohnter Manier daher. Doch dann schien der Regen auf einmal waagerecht durch die Luft zu peitschen. Mit Windgeschwindigkeiten von um die 150 Km/h (!!!) rasten die Regentropfen durch die Luft und verwandelten die Straßen binnen kürzester Zeit in munter strömende Bäche. Man konnte die Hand nicht mehr vor Augen sehen, so unglaublich dicht gewebt war der rasende Wasserteppich. Die innerhalb weniger Minuten hoffnungslos überlastete Kanalisation weigerte sich, noch mehr Niederschläge mitzunehmen. Dadurch verwandelte sich eine Straßensenke flugs in ein Schwimmbad, in der Radkastenhoch das Regenwasser stand. Hier war kein Durchkommen mehr. Oberhalb der Senke allerdings auch nicht, denn hier waren schon mächtige Äste auf die Straße gekracht und ganze Bäume aus der wurzeligen Verankerung gerissen. Dachpfannen und ähnliches Baumaterial flog gefährlich durch die Luft, und verängstigte Autofahrer waren in ihren nutzlos gewordenen Gefährten gefangen. Der Orkan tobte und heulte, der Keller lief voll, und überall sah man fassungslose Anwohner hinter den Fensterscheiben, die dieses zerstörerische Naturschauspiel hilflos mit ansahen. Anders gesagt:

Es wirkte, als wolle die Welt untergehen

Nach gefühlten Stunden zog das Unwetter endlich weiter, eine Spur der Verwüstung hinter sich lassend. Überall lagen umgeknickte Bäume, abgerissene Äste, allerhand Dreck und natürlich jede Menge Trümmerteile. Jetzt wagten sich die Menschen aus ihren Häusern, um die Schäden zu begutachten. Viele bemackte bis zertrümmerte Autos waren zu beklagen, jede Menge Sachschäden durch einströmende Wassermassen, sowie reichlich umgefegte Zäune und abgehobene Hausdachteile. Ein Chaos voller „Drachenkotze“, das die beherzte Nachbarschaft nun mit Bordmitteln nach Kräften zu beseitigen versuchte. So viel Leben in so einer Weltuntergangs-Kulisse hat es hier noch nicht gegeben.

Der heutige „Morgen danach“

begrüßte alle Geschädigten und Geschockten mit eitel Sonnenschein und mit Bildern des Grauens. Abgerissene Oberleitungen, marode Bäume, zerdallerte Fahrzeuge und fassungslose Anwohner, soweit das Auge reichte.

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An manchen Bordsteinen standen schon die den überschwemmten Kellern entrissenen Güter, mehr oder weniger durch die schmutzigen Fluten ramponiert. Die durch den Orkan errichteten Straßensperren waren teils durch beherzte Privatleute und teils durch die Stadtwerke wieder halbwegs aus dem Weg geräumt. Jedoch noch nicht großflächig genug, als dass ein normaler Straßenverkehr wieder möglich gewesen wäre. Und so stauten sich an den Schleichwegen ungewohnte Mengen an KfZ. die irgendwie und irgendwo ein Fortkommen suchten, aber leider nicht so wirklich fanden. Ein in jeder Hinsicht perfektes Kuddelmuddel.

Für heute sind uns seitens führender Meteorologen ähnlich drastische Wetterverhältnisse in Aussicht gestellt. Das wird wohl bedeuten, dass alle privaten Aufräum-Initiativen in wenigen Stunden wieder zunichte sind. Und dann geht der tosend tobende und pfeifend kreischende Weltuntergang wieder von vorne los. Da bleibt man besser daheim und hofft, dass sich Petrus bald abgearbeitet haben wird.

– Carina Collany –

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2 Antworten

  1. Martha sagt:

    Ich habe auch gehört, dass es heute noch mal so richtig krachen soll. Hoffentlich stimmt das nicht 🙄

    Mehrere Tote, keine Entwarnung
    Gewitter legen Züge lahm

    So schlimm hat es Nordrhein-Westfalen seit Orkan Kyrill nicht mehr erwischt. Und auch wenn NRW nach den schweren Unwettern aus dem Gröbsten heraus sein dürfte: Entwarnung können Meteorologen für den Rest von Deutschland noch lange nicht geben.
    http://www.n-tv.de/panorama/Gewitter-legen-Zuege-lahm-article12987646.html

  2. Milla sagt:

    Bilder sagen mehr als Worte:

    Sturmschäden in Essen
    http://www.derwesten.de/nrz/staedte/essen/sturmschaeden-in-essen-id9448425.html

    Da hätte man nicht mit drunterstehen wollen 😮

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