Kugelspatz an meinem Futterplatz

Kugelspatz

Kugelspatz

Haben Sie schon einmal einen Kugelspatz gesehen? Ein Kugelspatz ist ein ganz gewöhnlicher Hausspatz, der im Winter eine Futterquelle Marke Schlaraffenland entdeckt hat. Genau so eine, wie ich sie in meinem alten Büro auf dem Balkon eingerichtet hatte, um Amsel, Drossel, Fink und Star über die bitterkalte Jahreszeit zu helfen. Selbstverständlich war dieser Futterplatz auch mit mehreren Meisenknödeln ausgestattet, die am Balkongeländer baumelten. Und genau das ließ den cleveren Kugelspatz seine stattliche Leibesfülle erreichen.

Der Kugelspatz lässt Meisen für sich arbeiten

Meisenknödel sind bauartbedingt lediglich für Meisen unschwer zugänglich. Die kleinen Piepmätze landen treffsicher direkt am Knödel, krallen sich sofort sicher in das Netz ein, in dem der Knödel hängt, und picken sich aus dieser für sie komfortablen Position die besten Stücke aus dem Knödel raus. Bei dieser genüsslichen Pickerei fällt natürlich auch immer mal etwas zu Boden. Oder, wie in diesem Fall, auf den Randbereich des Balkons. Dieses Phänomen der natürlichen Schwerkraft hatte ein aufmerksamer Spatz beobachtet und daraus seine schmackhaften Schlüsse gezogen. Denn ab sofort bemühte er sich nicht mehr selbst um die andernorts ausgestreuten Leckerchen, sondern verweilte geduldig unter der Meisenknödel-Galerie. Denn dort flogen ihm, sozusagen sprichwörtlich, die gebratenen Tauben direkt ins Maul. Immer, wenn eine Meise über ihm etwas losgepickt hatte, verspeiste er die Beute genüsslich. Und da die Zutaten von Meisenknödeln ausgesprochen nahrhaft sind, hatte der kleine Feinschmecker schon bald sein zulässiges Startgewicht deutlich sichtbar überschritten.

Der Kugelspatz verharrt am Platz

Fliegen mochte der gefiederte Gourmet/Gourmand zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr. Wozu auch? Auf meinem Balkon war er absolut sicher, es drohte ihm keine Gefahr, und die geschäftigen Meisen ließen ihn die Annehmlichkeiten eines rund um die Uhr gut bestückten Futterplatzes mit vollem Schnabel genießen. So blieb er einfach da sitzen, wo es Spatzenmanna vom Himmel regnete, und pflegte seine niedliche Leibesfülle. Wahrscheinlich hätte es, wenn es nach ihm gegangen wäre, für immer und ewig so weitergehen können. Doch wie sagte schon Captain Kirk? Irgendwann ist alles mal vorbei.

Alles neu macht der Mai

Gemäß den Empfehlungen der Wildvogelhilfe konnten sich meine gefiederten Gäste stets bis Anfang Mai auf meinem Balkon verköstigen. Doch dann mussten sie wieder selbst im Großstadtdschungel nach Nahrung suchen. Meinem süßen pummeligen Kugelspatz schmeckte das gar nicht. Er hat noch lange an seinem Paradiesplatz gesessen und gehofft, dass es bald wieder weitergeht. Eines Tages war er dann aber nicht mehr da. Wer weiß? Vielleicht hat er auch nur warten müssen, bis er wieder flugtauglich war.

– Carina Collany –

Beitragsbild/Symbolfoto: Mike Prince auf unsplash

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