Ordnungsamt, bitte kommen!

Eines ereignisreichen Tages musste meine Mietergemeinschaft zur Kenntnis nehmen, dass ein ziemlich schrottiger Transporter die vor dem Haus ausgewiesene Parkfläche großflächig belegte. Das wäre uns allen wahrscheinlich gar nicht weiter ins Bewusstsein gedrungen, wenn diese voluminöse Rostlaube nicht die Garage einer Mieterin fast schon grenzwertig zugestellt hätte. Nur noch unter großen Verrenkungen war es der durchaus fahrerprobten Dame möglich, ihren PKW für ihre Zwecke zu nutzen. Und so hofften wir alle darauf, dass diese verbeulte Grotte, die unserer lieben und geschätzten Nachbarin das Leben schwer machte, bald wieder abziehen würde.

O

Tat sie aber nicht. Die Wochen (!!!) zogen ins Land, und die alte Scherbel war inzwischen so verdreckt und so dermaßen mit Unrat überzogen, dass die ersten opportunistischen Lebewesen schon erwogen, dieses künstliche Riff zu besiedeln. Die Hausgemeinschaft erwog indessen, das Auge des Gesetzes auf diesen niedergelassenen Aufreger aufmerksam zu machen. Zu diesem Zweck wurde das KFZ-Kennzeichen abgelesen: Ein Nummernschild aus der Ukraine, ziemlich zerbeult, aber immerhin noch ablesbar. Was war das Geheimnis dieses Vehikels? War es gestohlen und hier abgestellt worden? Hatte es eine Rolle bei einer Straftat gespielt? Verweste hier vielleicht sogar gerade vor unser aller Augen eine Leiche im Laderaum? Oder war die Karre einfach nur von eingereisten Schwarzarbeitern hier verlassen worden? Egal. Wozu gibt es schließlich eine Polizei? Ganz genau! Um solche und ähnliche Fragen aufzuklären. Oder?

Schon wieder Fehlanzeige. Der Schrotthaufen war gemäß Straßenverkehrsordnung nicht gesetzeswidrig abgestellt worden und hatte insoweit jedes Recht, sich hier nach Belieben die Reifen platt zu stehen. Außerdem war das Fahrzeug nicht in einer Weise beschädigt, dass man sich der Sache hätte unmittelbar annehmen müssen. Und eine offizielle Halterabfrage? Machen Sie sich bitte nicht lächerlich. Wer würde die in der Ukraine schon beantworten? Keine Sau. Ganz ehrlich. O-Ton Polizeiwache. Suuuuuper …

Was sollten wir also machen? Solange diese Grotte nicht im Parkverbot stand und ihr nicht die verölten Gedärme aus dem Chassis hingen, war und blieb sie unantastbar. Ganz egal, wie befremdlich es die beunruhigten Anwohner anmuten mochte, dass diese Gurke aus der Ukraine sich hier häuslich niedergelassen hatte.

Als sich einige Mietparteien schon überlegt hatten, der Schrottschleuder bei Nacht und Nebel eine seiner blinden Scheiben einzuschlagen, damit die Polizei endlich einen gerechtfertigten Grund zum Ermitteln hätte, geschah das Wunder: Das Ding aus einer anderen Welt war weg! Na ja – nicht sehr weit weg. Genau genommen stand das Ärgernis nur 50 Meter weiter auf der anderen Straßenseite. Und das Spiel ging von vorne los.

Wahrscheinlich doch nur Schwarzarbeiter.

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2 Antworten

  1. Michaela sagt:

    Ich kenne einen sehr netten Polizisten. Der hat mir erzählt, das diese Leute aus dem Osten sehr gut wissen, was hier geht und was nicht. Die nutzen das voll aus. Die wissen, das sie hier fast alles machen können was sie wollen. Das sollte sich unsereiner mal trauen. Na, lieber nicht.

  2. Naja, es gibt und wird auch leider immer Menschen geben, die sich gern dummstellen, aber es im Grunde weitaus besser wissen. Schade!

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