Soest spart Strom auf Kosten blinder Menschen

Soest spart Strom

Soest spart Strom. Das ist im Rahmen ökologischen und ökonomischen Problembewusstseins grundsätzlich löblich. Doch man kann es mit der Sparsamkeit auch übertreiben. Vor allem dann, wenn die blinde Sparwut blinde Menschen in lebensgefährliche Situationen bringt.

Soest spart Strom durch das Abschalten von Fußgängerampeln am Abend

Ampelanlagen sind in den guten alten Zeiten der Glühbirne wahre Energiefressmaschinen gewesen. Hier heißt es: Energieverbrauch und Kosten nach Kräften gering halten. Auch Soest spart Strom im Rahmen sinnvoller Modernisierung durch den Wechsel von der Glühbirne zur LED Beleuchtung. Inzwischen strahlen fast alle Ampeln zu Soest zeitgemäß stromsparend mit LED Technologie. Damit sind die Soester Lichtzeichenanlagen zu einem fast schon lächerlich geringen Kostenposten im städtischen Energiebudget geschrumpft. So weit, so fortschrittlich. Doch irgend ein Mitternachtsminister hat sich wohl gedacht, dass hier noch wesentlich mehr geht. Und so wurde veranlasst, dass abends die Ampeln komplett zu entpflichten sind. Auch und gerade an solch belebten und beliebten Orten wie dem Brüdertor.

Soest spart Strom – no lights, no sound!

Nun könnte man ja meinen, dass blinde Menschen ohnehin wenig Nutzen aus den Lichtzeichenanlagen ziehen können. Das ist insoweit korrekt, als blinde Menschen sich selbstverständlich nicht nach rot gelb grün orientieren. Allerdings sind viele Fußgängerampeln mit Signalgebern und mit Tastern für blinde Menschen ausgestattet. Verschiedene Merkmale dieser barrierefreien Ampeln (akustische Signale, Vibrationssignale, tastbare Signale) unterstützen blinde Fußgänger dabei, die Straße sicher zu überqueren. So kann auch ein blinder Mensch an solchen Ampeln zweifelsfrei erkennen, ob er „rot“ oder „grün“ hat. Das heißt, er könnte es. Wenn die Ampel angeschaltet wäre. Doch ist die Ampel unter dem Titel „Soest spart Strom“ abgeschaltet, funktionieren auch die Signalgeber für die blinden Fußgänger nicht mehr. Kein Strom, keine Vibration, kein wegweisendes tok – tok – tok mehr. Nur gespenstische Stille.

Soest spart Strom – und die Blinden haben das Nachsehen

Was macht ein blinder Mensch, der an einem beampelten Fußgängerüberweg keine Signale mehr bekommt, weil irgend ein Armleuchter meint, bei Einbruch der Dämmerung ein paar lausige Cent am LED Licht einsparen zu müssen? Da gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, der blinde Fußgänger wartet geduldig, bis ihn ein einfühlsamer Passant anspricht und seine Hilfe anbietet. Das passiert in den seltensten Fällen. Oder, der blinde Fußgänger setzt alles auf eine Karte und läuft in seiner Verzweiflung einfach los. Das kann gut gehen. Muss es aber nicht. Ist auch nicht wirklich ratsam.

Soest spart Strom – gerne! Aber bitte woanders!

Liebes Soest! Sparen ist sinnvoll und notwendig, gar keine Frage. Jeder Stadtkämmerer nimmt lieber ein, statt auszugeben. Doch auch Sparen will gelernt sein. Es macht wirklich überhaupt keinen Sinn, Blinden nach Einbruch der Dämmerung für ein paar lächerliche Cent auch noch die letzte Orientierung zu rauben, während andernorts satte Summen im Sumpf der Verschwendung versenkt werden. Hier sei exemplarisch daran erinnert, dass zu Soest seit 2010 zig Tausende an Steuergeldern verjuxt werden, nur um Saatkrähen davon zu überzeugen, andernorts zu nisten, zu keckern und zu kacken. Es muss nicht extra betont werden, dass sich die ortsansässigen Saatkrähen von derartig monetär verschwenderischen Aktionen wenig bis gar nicht beeindruckt zeigten. Ganz im Gegenteil.

Soest spart Strom, weil Soest nun mal, wie wir alle, sparen muss. Man kann allerdings auch am falschen Ende sparen. Dies den Stromsparern ins Stammbuch geschrieben.

– Milla Münchhausen –

Beitragsbild: Basil Samuel Lade

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