Stimmen für die Stars

Stimmen für die Stars

Stimmen für die Stars

Es ist allgemein bekannt, dass die Schwächen des einen Sinneskanals mit den trainierten Stärken eines anderen Sinneskanals kompensiert werden können. Vielleicht ist es diesem Wahrnehmungsausgleich zu verdanken, dass ich als recht kurzsichtige Brillenschlange ein außerdurchschnittlich sensibles Gehör besitze. Und das wiederum ist vermutlich der Grund dafür, dass für mich der deutsche Synchronsprecher eines internationalen Film- oder Fernsehstars für das künstlerische Gesamtbild mindestens genau so wichtig ist wie die optischen Äußerlichkeiten.

Dazu ein klangvolles Beispiel.

Ich bin alt genug, um die Fernsehserie „Miami Vice“ in ihren allerersten Anfängen in der TV-Erstausstrahlung gesehen und genossen zu haben. Whow! Damals hat mich nicht nur der göttliche Soundtrack von Jan Hammer aus dem Sitz gehoben, sondern auch die männlich markante Stimme von Don Johnson alias Sonny Crocket. Immer dann, wenn dieser unrasierte rohseidene sockenfreie Undercover-Bulle nach einer mit Tequila durchzechten Nacht seine tiefe raue Stimme erklingen ließ, war ich hin und weg. Kein Wunder, dass dem die schönsten Mädchen in Miami zu Füßen lagen. Doch dann geschah das Unvermeidliche, zumindest in Amerika: Don Johnson wollte seinem Erfolg als Mime auch einen Erfolg als Musiker, genauer gesagt, als Sänger, folgen lassen. Erwartungsfroh lechzte ich dem in diesem Zusammenhang zu erwartenden ersten Hit entgegen. Und was hörte ich da? Ein saft- und kraftloses Piepsestimmchen eher femininer Tonlage, das es ohne den wohlmeinend pimpenden Rückenwind eines erfahrenen Tontechnikers wohl niemals vor die Tür des Aufnahmestudios geschafft hätte. Was für eine herbe Enttäuschung. Und was für ein Unterschied zur deutschen Synchronstimme. Trotzdem hab ich mich schlussendlich mit Don Johnsons Liedgut angefreundet. Das gelang mir aber nur, weil ich es irgendwann geschafft habe, seine gesanglichen Darbietungen mental von seiner Schauspielerei zu trennen. Seit dem wohnen zwei Dons, ach, in meiner Brust. Nur gut, dass ich so ein großes Herz habe 😉

Einen ähnlichen Effekt bescherte mir die direkte akustische Gegenüberstellung von Fox Mulder aus „Akte X“ mit dessen Darsteller David Duchovny. Während Fox Mulder mit der supersexy Samtstimme von Benjamin Völz jeden noch so banalen Dialog zum heißen Bettgeflüster werden lässt, mutet David Duchovnys tatsächliche Stimme eher wie eine mehlig kochende Kartoffel im permanenten Stimmbruch an. Tatsächlich verspürte ich beim ersten Hören von Herrn Duchovnys Stimme den dringenden Drang, mir virtuelles Wasser aus den Gehörgängen zu schütteln. Manches bleibt eben wirklich besser unausgesprochen. Denn nicht jede Stimme, die erhoben wird, ist der Erhebung auch wert.

Falls Sie nicht sowieso auch schon so ein Synchronstimmen-Jäger sind wie ich, dann machen Sie sich doch einfach mal den Spaß und suchen Sie nach (deutsch)stimmlichen Gemeinsamkeiten unterschiedlicher internationaler Stars. Sie werden staunen, wer da (meist immer wieder) wem seine Stimme ausborgt. Und wenn Sie die Namen und Gesichter hinter den markanten Leih-Stimmen kennenlernen wollen, dann googeln Sie doch einfach mal nach dem Begriff „Synchronsprecher“ und klicken Sie sich durch die diversen Synchronsprecher-Verzeichnisse. Da kommt garantiert gute Laune auf!

– Carina Collany –

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Eine Antwort

  1. Johnny sagt:

    Schon mal bemerkt, dass Bruce Willis ein echter Praktiker ist, für alles außer Tiernahrung? Dahinter steckt „The Voice“ Manfred Lehmann, der auch Kurt Russel oder dem Neu-Russen Gerard Depperdiö 😯 öfter mal „nach dem Mund“ redet :mrgreen:

    Mehr dazu (auch Hör-Kostproben und so) unter
    http://www.stimmgerecht.de/sprecher/1449/Manfred-Lehmann.html

    😛

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