Cotard-Syndrom: Untot wider Willen

Ein aus dem Takt geratenes Gehirn kann seinem Besitzer die abenteuerlichsten Sachen vorgaukeln. Sobald die sensible Hirnchemie auf Abwegen wandelt, oder die grauen Zellen durch strukturelle Schäden ihre normale Funktionalität verlieren, geraten die Betroffenen in groteske bis surreale Erlebniszustände. Ein in dieser Hinsicht besonders vernichtendes Krankheitsbild ist das

Cotard-Syndrom

Foto: Daniel Deppe

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welches den Patienten die unverbrüchliche Überzeugung vermittelt, tot zu sein. Seinen Namen erhielt dieser quälende psychische Ausnahmezustand von dem französischen Arzt Jules Cotard, der im Jahre 1880 erstmalig den Fall einer erkrankten Patientin vorstellte. Die Frau war in felsenfestem Wahn davon überzeugt, nur noch als verwesender Leichnam, also nach neuer Diktion als „Zombie“, umzugehen. Und so definierte Dr. Cotard diesen grauenvollen Zustand als eine wahnhafte Vorstellung, tot zu sein, keine (oder nur noch infunktionale) inneren Organe mehr zu besitzen, und keinen festen Körper mehr zu haben. Die subjektive Gewissheit, in diesem bemitleidenswerten Zustand für immer und ewig existieren zu müssen, kommt bei diesem Syndrom erschwerend hinzu.

cotards syndroma

Das Cotard-Syndrom ist zum Glück extrem selten. Doch die wenigen Menschen, die es trifft, gehen buchstäblich durch die Hölle. Als „lebende Leiche“ will man weder essen noch schlafen. Nichts bereitet mehr Freude, alles ist bedeutungslos, man selbst ist nicht mehr existent. Als wandelnder Toter scheint man dazu verdammt zu sein, ein „da-sein“ im bodenlosen Nichts erdulden zu müssen. Die vernichtende Depression, die hier aufscheint, kann und will sich kein psychisch normalgesunder Mensch jemals ausmalen oder auch nur ansatzweise vorstellen. Zum Glück kann dieser Zustand durch gut geschulte Neurologen und Psychiater erfolgreich therapiert werden.

Weitere Informationen zum Cotard-Syndrom liefert das Fachbuch „Seltene Wahnstörungen„, herausgegeben von Petra Garlipp und Horst Haltenhof im Springer-Verlag.

– Carina Collany –

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