Orientierungssinn als evolutionäre Männerdomäne

Foto: Daniel Deppe https://www.flickr.com/photos/30014084@N03/15604608988/

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Ich gebe ganz offen zu, dass es mit meinem räumlichen Orientierungsvermögen nicht weit her ist. Wer mich nach dem Weg fragt, hat schon verloren. Und wenn man mich nicht vorsorglich auf Schienen setzt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich verlaufe, peinlich hoch. Natürlich habe ich schon viel geübt, immer in der Hoffnung, dass sich räumliche Orientierung trainieren lässt. Das Ergebnis war, jedenfalls bei mir, niederschmetternd. Oder, um es mit einem schmalspurschnüffelnden Filmzitat zu sagen: Ich finde noch nicht mal den Schweif am Pferd 😆

Vielen Geschlechtsgenossinnen geht es da ganz ähnlich. Das tröstet mich ein klein wenig, lässt aber auch immer wieder die Frage aufkommen, warum es eigentlich diesen bestens belegten kognitiven Leistungsunterschied zwischen Männern und Frauen gibt. Denn man weiß ja, dass sich die Evolution in den allermeisten Fällen etwas bei den Spezifikationen gedacht hat, die sie geschaffen hat. Und so muss es auch hier sein. Bei den frühen Herren der Schöpfung muss ein besseres räumliches Orientierungsvermögen einen bedeutsamen Selektionsvorteil gebracht haben, der bei den Mädels nicht bestanden hat.

Nur welchen?

Dieses Rätsel könnte jetzt von einem expeditionsfreudigen Forscherteam gelöst worden sein:

Warum haben Männer oft die bessere Orientierung?

In dem Beitrag heißt es (Zitat):

Warum haben Männer meist eine bessere räumliche Orientierung als Frauen? Eine Expedition zu zwei Naturvölkern in Namibia liefert eine mögliche Antwort: Die Männer, die die bessere räumliche Vorstellung haben, kommen bei diesen Völkern auch weiter herum – und zeugen daher auch mehr Kinder mit verschiedenen Frauen. Das könnte auch bei unseren Vorfahren so gewesen sein – und den Geschlechtsunterschied bei dieser Fähigkeit erklären (…)

Es ist also wieder mal der übliche Verdächtige zu verhaften 😉

Männer, die in jedem Hafen eine Braut haben, und ihren Weg durch sämtliche Betten mit schlafwandlerischer Sicherheit hin- und zurück finden, können sich sehr viel erfolgreicher vermehren als orientierungslose Nesthocker. Wenn das zutrifft, dann ist es kein Wunder, dass die perfekt orientierten Mannsbilder mehr Gelegenheit dazu haben, ihre begnadeten Erbanlagen breit aufgestellt weiter zu geben. So dass letzten evolutionären Endes ein nachweisbarer Geschlechtsunterschied zugunsten der umtriebigen Wandervögel herausgezüchtet wird 😛

Kann das stimmen?

Na klar. Immerhin lässt sich dieser Mechanismus ja auch heute noch nachweisen. Dennoch befriedigt mich dieser Forschungsbefund nicht restlos. Denn warum sind in früher Vorgeschichte die Männer und nicht die Frauen auf die Piste gegangen? Wie wäre es gekommen, wenn die Frauen losgezogen wären und die Männer statt dessen das Lagerfeuer gehütet und den Nachwuchs beaufsichtigt hätten? Wären es dann heute die Frauen, die sich deutlich besser im Gelände zurechtfinden würden als die Männer? Und warum haben sich die frühen Gesellschaften die diversen Aufgaben nicht per Frauenquote 50:50 aufgeteilt? Dazu weiß die Wissenschaft nichts zu sagen 🙄

Vielleicht mögen wir Frauen auch einfach nur gerne Männer, die ganz genau wissen, wo es langgeht 😉

– Carina Collany –

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