Rassismus passt auf eine Briefmarke

Rassismus im Briefmarkenformat

Rassismus im Briefmarkenformat

Rassismus ist, frei nach Wikipedia, eine Ideologie, die die Menschen über äußerlich sichtbare Kriterien wie Hautfarbe, Körpergröße, Sprache, geografische Herkunft, Kultur oder Brauchtum in Kategorien einteilt. Und diesen unterschiedlichen Kategorien werden anschließend verschiedene Wertigkeiten und/oder Stereotype zugeordnet. Solche psychologischen Mechanismen (oder auch Automatismen) sind in allen Menschen tief verankert, denn sie gehören zu den Grundlagen gruppendynamischer und sozialpsychologischer bzw. massenpsychologischer Urphänomene. Solange die den Kategorisierungen zugeordneten Attribute real existierende Korrelationen abbilden, ist an diesem bewertenden „Schnellschuss“ nichts auszusetzen. Doch wenn man den Menschen in den Schubladen mit falschen Eigenschaftszuweisungen Unrecht tut, dann erhebt der Rassismus sein unschönes Haupt. Darum ist es sinnvoll und wünschenswert, despektierlichem Rassismus jeglichen Nährboden zu entziehen. Allerdings kann man es damit, was man als Rassismus brandmarken will, auch dummgutmenschlich übertreiben.

Rassismus, dem man hinten ablecken kann

Die spanische Post hat einen Briefmarkensatz herausgegeben, mit dem sie darauf verweisen wollte, dass alle humanoiden Hautfarben unabhängig vom Grad ihrer Pigmentierung die gleiche Wertschätzung genießen sollten. Doch da es in der Natur von Postwertzeichen liegt, dass diese unterschiedliche Werte haben, ging dieser gut gemeinte Schuss kräftig nach hinten los. Denn sofort wurde mit moralinsaurer erhobenem Gutmenschenzeigefinger darauf gedeutet, dass die hellen Hautfarben „wertvoller“ sind als die dunklen. Da guckt er uns also schamlos an, der Rassismus im Briefmarkenformat. Es würde mich persönlich interessieren, ob hier auch so laut aufgejault worden wäre, wenn die schwarze Briefmarke den höchsten Wert gehabt hätte.

Rassismus im Virenformat

Können Sie sich noch an die „Spanische Grippe“ erinnern? Eine extrem effiziente Viruserkrankung, die millionenfach Menschen auf der ganzen Welt zu Tode gebracht hat. Und das zu einer Zeit, in der die Welt noch kein Dorf war, und in der die Leute gerade das Ende des ersten Weltkriegs zu verdauen hatten. Die Namensgebung „Spanische Grippe“ ist insoweit irreführend, als dieses Virus nicht nicht olé!, sondern OK gerufen hat, als es sich aufmachte, die Erde zu erobern. Doch hat sich Spanien jemals über diesen empörenden Rassismus ereifert? Es wäre mir zumindest nicht bekannt. Die Krankheit hieß dann eben einfach „Spanische Grippe“, und jeder wusste, wovon die Rede ist. Wenn das Rassismus war, hat es damals jedenfalls niemanden gestört. Und heute?

Geographische Herkunft als Rassismus?

Corona grüßt seinen entfernten Verwandten. Und hier gibt es jede Menge neue Varianten des Virus griffig zu benennen. Doch darf man heute noch „britische Variante“, „indische Variante“ oder „mexikanische Variante“ (u.a.) sagen? Um Himmels Willen, nein? Denn Britannien, Indien und Mexiko (u.a.) könnten sich dadurch rassistisch beleidigt fühlen. Was also tun? Man verpasst den Virusvarianten die angeblich harmlosen Namen des griechischen Alphabets. Wenn sich Griechenland durch diesen ruchlosen Rassismus mal nicht diskriminiert und beleidigt fühlt. Wenn ich Grieche wäre, würde ich mich gegen einen derart ehrverletzenden Missbrauch meiner Buchstabennamen ganz entschieden verwahren.

Fazit

Wie man es macht, macht man es falsch. Denn egal, welchen Namen man für welches Ding auch hernimmt, irgendjemand wird sich immer rassistisch belästigt und beleidigt und durch die Zigeunersoße gezogen fühlen. Warum darf man seine eigene Muttersprache nicht mehr völlig unbefangen so anwenden, wie man sie erlernt hat? Warum muss jedes Wort auf der Goldwaage gewogen und für rassistisch befunden werden? Warum muss ich mir beim Sprechen einen abbrechen, um nur ja niemandem ungewollt und ohne Absicht versehentlich auf den Schlips zu treten? Ich denke, das Rassismus im Kopf des Sprechenden entsteht. Nicht aber in der Sprache selbst. Darum denke ich auch, dass Rassismus absolut nicht in Ordnung ist, dass man aber trotzdem den Mund aufmachen dürfen muss, ohne ständig Angst zu haben, von selbsternannten Tugendwächtern eine ins Genick zu kriegen.

Was denken Sie?

– Milla Münchhausen –

Beitragsbild /Symbolfoto von Lydia Matzal auf Unsplash

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2 Antworten

  1. Thea sagt:

    Wenn meine „Vorurteile“ gegen eine bestimmte Menschenrasse freundlich und lobend gemeint sind, ist es dann auch Rassismus? Wenn ich zB sage, dass „Neger“ sich beneidenswert geschmeidig und anmutig bewegen können und umwerfende Liebhaber sind, ist das dann auch Rassismus, obwohl ich es als fettes Kompliment meine? So langsam blicke ich es nicht mehr.

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