Zeitungsboote im Meer der orthographischen Peinlichkeit

Kann es sinnvoll sein, bei den derzeit vielerorts drohenden Überschwemmungen Zeitungsboote für die Zusteller einzusetzen? Oder sind die Zeitungsboote nur ein weiterer schlagender Beweis für die Inkompetenz fröhlich vor sich hinstümpernder Onlineredakteure? Es ist zu befürchten, das Letzteres der Fall ist. Bitte sehen Sie selbst:

Zeitungsboote

Zeitungsboote

Das Zeitungsboot, die Zeitungsboote

Ganz ehrlich – wenn ich die schriftlichen Ausarbeitungen meiner Berufsschüler durchlese, stehen mir oft die Haare zu Berge. Oder ich muss so laut über die stilistischen Eigenheiten lachen, dass mir der Rotstift aus der Hand fällt. Meist beides. Doch ich nehme meinen Leuten diesen eklatanten Mangel an schriftlicher Sprachpräzision nicht übel. Denn ich weiß ja, dass der Erwerb der Kulturtechnik des Schreibens an vielen Schulen nicht mehr so hoch im Kurs steht, wie er es nach meiner Meinung sollte. Da halten es die deutschen Unterrichtsstätten gerne mal mit dem Zigeunerbaron:

Ja, das Schreiben und das Lesen,
ist nie mein Fach gewesen …

Nun sollte man meinen, dass Onlineredakteure des Deutschen schon ein wenig mächtiger sind als Berufsschüler. Doch weit gefehlt. Denn wie Sie ja gerade selbst oben im Bild gesehen haben, muss ein namentlich genannter Onlineredakteur ab sofort als Erfinder der Zeitungsboote gelten. Und es handelt sich bei dem hier in Wort und Bild verewigten Lapsus nicht um eine lieblos vom Praktikanten hingerotzte Kundenzeitschrift, sondern immerhin um eine viel gelesene Tageszeitung. Ob es nun stark und ergiebig regnet oder nicht.

Die Zeitungsboote sind voll

Natürlich leisten sich auch andere Gazetten nicht selten den Luxus unfreiwilliger verbaler Situationskomik. Das Internet bietet eine Fülle von Portalen, die sich mit der unausrottbaren Existenz gedruckten Unsinns befassen. Wenn Sie über solche „Stiehlblüten“ gerne lachen (oder gerne weinen, je nach Stimmung), dann sollten Sie gelegentlich nach „fehler in zeitungen komisch“ googeln. Sie werden staunen, was dabei so alles zum „Vorschwein“ kommt.

Ist das denn wirklich so schlimm, wenn da mal ein Fehler grüßt?

Natürlich gibt es Schlimmeres. Doch wenn eine Leserschaft, die ohnehin alles andere als trittsicher auf dem Parkett der deutschen Schriftsprache unterwegs ist, dann auch noch mit solchem Blödsinn gefüttert wird, dann können wir den Deutschunterricht auch gleich komplett abschaffen. Vielleicht tatsächlich kein so uninteressanter Gedanke. Denn wenn es keine Rechtschreibfehler mehr gibt, weil es keine Rechtschreibregeln mehr gibt, dann hätte Mark Twain am Ende doch Recht behalten:

Es gibt keine andere Sprache, die so schludrig und systemlos und gleichzeitig so schlüpfrig und schwer zu fassen ist.

Besteigen wir also die Zeitungsboote und lassen uns vom Wind der Ignoranz auf den Wassern der Einfalt in die blühende Bildungsferne treiben.

– Milla Münchhausen –

Print Friendly, PDF & Email

Das könnte dich auch interessieren …

Eine Antwort

  1. Boootsmann sagt:

    Das sind ja herrliche Vorbooten des Neu-Deutschen 🙁

    Was zusätzlich noch zu erwähnen wäre:

    – Angeboot und Nachfrage
    – Die 10 Geboote
    – Einst Fahrradkurier, heute Eilboote
    – Einst Briefträger, heute Postboote
    – Der Talboot Spiegel
    – Geboote und Verboote (oder heißt es Gehboote?)

    … und natürlich der Film-Klassiker „Das Booot“

    Beste Grüße übrigens nach Sooest 😉

    Ooh, ooh!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anti-Spam durch WP-SpamShield