Altenpflege – es ist noch schlimmer, als man denkt

Altenpflege

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Altenpflege ist eine ehrenwerte Aufgabe, die allergrößtes mitmenschliches Engagement und beste fachliche Ausbildung braucht. Immerhin verlassen sich alle Pflegekunden, die auf Hilfe angewiesen sind, auf die Professionalität und den Respekt ihrer Pfleger. Leider ist die Situation der Altenpflege in Deutschland so hoffnungslos miserabel, dass es jeden denkenden Menschen derbe davor grausen muss, in die Pflegebedürftigkeit abzurutschen. Warum aber ist das so? Der folgende Beitrag präsentiert einige ausgewählte und durchweg todtraurige Antworten auf diese Frage

Für die Altenpflege gibt es viel zu wenig Nachwuchs

Altenpflege ist hierzulande ein berufliches Betätigungsfeld mit bescheidener Attraktivität. Die Vergütung ist nicht wirklich prall, die Dienstpläne dafür umso praller. Die Pflegeschlüssel (bedeutet: die Anzahl von Pflegekunden pro Pflegekraft) sind haarsträubend schlecht, und die völlig inakzeptablen institutionellen Bedingungen lassen auch den motiviertesten Berufseinsteiger mit Lichtgeschwindigkeit wahlweise auf einen Burnout, Boreout oder Coolout zurasen. Dazu kommt noch der tägliche Direktkontakt mit körperlichen Ausscheidungen der genuin ekelhaften Art sowie das Berufsrisiko, von verwirrten und herausfordernd agierenden Pflegekunden eins auf die Nuss zu kriegen. Wer das alles (und noch viel mehr) ertragen will, um seinen ganz persönlichen Beitrag zu einer humanen Gesellschaft zu leisten, muss ein wahrer Engel sein, allein auf weiter Flur. Oder?

Altenpflege als beruflicher „Joker“

Alle Altenpflegeschulen bundesweit beklagen derzeit die gleiche frustrierende Situation: in den Schulungsräumen sitzen überwiegend absolut unmotivierte, leistungsschwache und verblüffend gleichgültige Kursteilnehmer, an denen selbst hartgesottene Dozenten über kurz oder lang verzweifeln. Man sollte doch denken, dass Menschen, die die nächsten drei Jahre ihres Lebens einer stark fordernden Ausbildung widmen werden, auch dementsprechend leistungsorientiert agieren. Doch das genaue Gegenteil scheint der gefühlte Fall zu sein. Die Erklärung dafür ist deprimierend einfach: Altenpfleger werden bundesweit so händeringend gesucht, dass auch Absolventen mit den schlechtesten Noten bereits vor Beginn der Abschlussprüfungen unbefristete Arbeitsverträge in der Tasche haben. Und sollte einer die Prüfung komplett versemmeln, ist das auch kein Problem. Dann wird dieser Zeitgenosse eben nicht als Pfleger, sondern als Pflegehelfer mit eingeschränktem Handlungsprofil angestellt. Ob der dann nachher am Arbeitsplatz wirklich keine Spritzen gibt, keine Katheter legt und keine Wunden versorgt, danach wird kein Hahn mehr krähen. Und selbst wenn: in der Altenpflege findet jeder, der will, schneller einen neuen Job, als eine flache Spahnplatte auf der Sonnenoberfläche verglühen würde.

Altenpflege – Die Ausbildung als Einkommen

Nicht wenigen Altenpflegeschülern werden die Lehrjahre attraktiv vergütet. Und zwar unabhängig vom späteren Ausbildungserfolg. Um hier die finanziellen Vorteile voll umfänglich genießen zu können, reicht es schon aus, sich in den kommenden drei Jahren nicht von der Schule schmeißen zu lassen. Eine Minimalanforderung, die auch notorische Smombies meist noch einigermaßen hinbekommen.

Fazit

Das erdrückende Thema Altenpflege konnte und sollte in diesem Beitrag nur sehr kurz angerissen werden. Alten Menschen sei dringen dazu geraten, niemals pflegebedürftig zu werden. Denn die Chance, an einen gefährlich schlecht eingestellten Pfleger zu geraten, ist horribel hoch.

P.S.:

Selbstverständlich gibt es auch jene supertollen Altenpfleger, vor denen man dankbar den Hut ziehen und mit Respekt niederknien sollte. All diesen wunderbaren empathischen Engeln, die alte Menschen sich von ganzem Herzen wünschen möchten, gilt mein ganz persönlicher tief empfundener Dank. Gäbe es mehr von dieser Sorte, hätte ich diesen verzweifelten Beitrag nie schreiben müssen. Und gäbe es sehr viel, seeeeeeeeehr viel mehr von dieser Sorte, würde sogar ich mich darauf freuen dürfen, eines Tages pflegebedürftig zu sein.

Im Moment allerdings …

– Milla Münchhausen –

Beitragsbild von Alex Boyd auf Unsplash

Alex Boyd

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