Salz als natürlicher Grenzschutz in der Haut

Salz gehört zu den ältesten und zuverlässigsten Konservierungsmitteln, die die Menschheit kennt. In der Anwesenheit hoher Salzkonzentrationen entsteht ein mineralisches Milieu, das für die meisten Bakterien und Mikroben eine extrem lebensfeindliche und damit unbewohnbare Umwelt erzeugt. So schützt ein hoher Salzgehalt Speisen, die lange genießbar bleiben sollen, vor der feindlichen Übernahme durch bedrohliche Erreger. Und siehe da: Nicht nur die Hausfrau macht sich diesen Effekt aktiv zunutze, sondern auch lebendige Haut. Denn die wehrt sich an Stellen, wo sie verletzt wurde, mit deutlich erhöhten internen Salzkonzentrationen gegen Wundinfektionen durch opportunistische Erreger. Das haben kürzlich Wissenschaftler der Vanderbilt University in Nashville empirisch feststellen können:

Salz als Infektions-Schutz?
Eine salzreiche Diät könnte gegen eindringende Mikroben schützen

In dem Beitrag heißt es (Zitat):

Ist viel Salz doch gesund? Das viel geschmähte Gewürz trägt offenbar dazu bei, uns vor Wundinfekten und Erregern zu schützen. Darauf deuten nun Experimente mit Mäusen und Zellkulturen hin. Das Salz reichert sich in der Haut an und wirkt so wie eine Barriere, gleichzeitig aktiviert es die Fresszellen des Immunsystems, wie Forscher im Fachmagazin „Cell Metabolism“ berichten.

Die Logik liegt irgendwie auf der Hand: Wenn dem Organismus ausreichende Salzvorräte zur Verfügung stehen, die er bei Bedarf zeitnah in verletzter Haut anreichern kann, dann vermag diese „Salzmauer“ den anwesenden Mikroben die Suppe gründlich zu verwürzen. Hat der Körper jedoch gerade genug Salz in sich, um die lebenswichtigen Funktionen am Laufen zu halten, dann ist für solche Notfälle keine Reserve zur Stelle, und die beschädigte Haut steht den Invasoren schutzlos gegenüber.

Also doch kräftig salzen?

Ja und nein. Allzu viel Salz bekommt dem Körper schlecht, allzu wenig Salz ist allerdings ebenso (wenn nicht gar schlimmer) gesundheitsgefährdend. Es ist wohl, wie so oft, am besten, den Körper optimal mit Salz zu versorgen. Viel genug, dass er gut funktionieren und sich darüber hinaus auch noch ein paar Notvorräte anlegen kann, aber nicht zu viel, damit solchen salzbeteiligten Erkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck kein Vorschub geleistet wird. Es ist für gesunde Erwachsene im Allgemeinen vermutlich nicht verkehrt, so um die vier bis maximal fünf Gramm Salz pro Tag zu sich zu nehmen. Das deckt sich durchaus mit den derzeit kursierenden Ernährungsempfehlungen und stellt eine respektable Menge dar, mit der auch die Liebhaber kräftig gesalzener Speisen gut zurecht kommen sollten.

Und all jenen, die glauben, mit einer Verbannung von Kochsalz vom Teller ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun, denen sei gesagt, dass ein rigoroser Verzicht auf Salz in einer tödlich verlaufenden Hyponatriämie enden kann. Also: Im Zweifelsfall lieber mal eine Tasse herzhaft gesalzene Brühe trinken, wenn unerklärliche Schläfrigkeit, Mattigkeit, Gangunsicherheit, Störungen der Körperkoordination, Konzentrationsstörungen oder gar Krampfanfälle zu beklagen sind. Letzte Gewissheit kann hier selbstverständlich nur eine ausführliche Laboruntersuchung in Kombination mit einer sorgfältig durchgeführten ärztlichen Anamnese bringen.

So oder so:

Salz ist unter allen Edelsteinen, die uns die Erde schenkt, der Kostbarste.
(Justus von Liebig)

– Carina Collany –

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